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schuft steht (siehe S. 293>. Diese sich ihm darbietende schöne
Gelegenheit wird der Unternehmungsgeist hoffentlich nicht un-
benutzt lassen und daraus für die Stadt und deren Bewohner
gewiß die bedeutendsten Vorthcilc ziehen. Die materiellen Be-
strebungen werden auch hier einen höhern Aufschwung neh-
men, der Gewcrbsfteisi einen verstärkten Anstoß erkalten, das
Zuströmen der Fremden sich vervielfältigen, die (Geldmittel
einen beschleunigten Umschwung erfahren, die Preise der mei-
sten Güter werden sich heben und noch manches andere Gute
sich im Gefolge dieser nencn Einrichtung einfinden; aber auch
nachteilige Folgen werden nicht ausbleiben, und nur von
den Bewohnern wird es abhängen, ob diese oder jene das
Ncbergcwicht erlangen werden.
Zweite« Kapitel.
Die moralischen Zustände und Verhältnisse der Vcwuhncr.
8. ».
Charakter der Bewohner.
Der Charakter der Bewohner in großen Städten, die so-
wol aus der Fremde, als auch aus anderen Orten desselben
Landes einen regelmäßigen und bedeutenden Zuwachs erhalten,
ist überhaupt schwer ni erfassen und zuweilen noch schwerer,
der Wahrheit getreu >u schilfern. In den meisten Fällen spie-
geln sich die hervorstechendsten Eigenheiten der Landbewohner,
durch den häufiger« Verkehr mit Fremden zum Theilc modi-
ficirt , in dem Charakter der Einwohner der Hauptstadt ab.
Die Gebildete» gleiten sich ohnehin in allen Städten gleicher
Zunge so Ziemlich und unterscheiden sich nur wenig von ein-
ander, lind diese Nnterscheiduugs-Wcrtmale haben ihren Grund
überdicst mehr im Temperamente und in dem Grade der Bil-
dung, als in der Abstammung und in Loeal-Verhältnifsen.
Nicht gain so ist es bei dem gemeinen Volke, in dessen
Charakter sich schcn leichter hervorstechende Eigenheiten auffin-
den lassen. Der gemeine Mann in Grätz, wie er sich der Masse
nach zeigt, ist wenig lebhaften Temperaments, ernsteren Sinnes
und auch weniger rührig, als der Wiener. Ihm fehlt iene
Heiterkeit und Lebensfrcudigteit, durch die der Wiener den
Fremden gleich in den ersten Augenblicken der Bekanntschaft
so sehr für sich einnimmt. Auch die Gemüthlickkcit des Wie-
K ners, seinen regen Sinn und dessen Empfänglichkeit für gei- H
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918