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Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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stigc Genüsse scheint er nicht nl besitzen. Sein Verstand ist in der Negel mel'r als sein Gemiilh einwickelt, Für sinnliche Ge- nüsse, gesellige Lust und Erregung der Seele durch äußere Eindrücke hat er eine vorherrschende Neigung; dabei ist aber sein Geschmack und sein Kunstsinn noch wenig ausgebildet. Ter Charakter des gemeinen Grätzel hat übrigens manche Züge, die aus Vermischung mit slawischen El^„enien di„wci- sc». Bei der Arbeit langsam, im Handeln bedächtig, ist er ge- gen Fremde minder zuvorkommend und allem Neuen abhold; erst wenn es vollkommen gelungen ist, gewinnt dieses, aber auch nur langsam, seinen Veisall. Ihn: ist eine große Freund- lichteil eben auch nicht eigen; ium Grusle entschließt er sich nur schwer, es sei denn, daß die ihm begegnende Person von Einftuß aus sein Geschick wäre. Große Reinlichkeit ist bei den unteren Volksclasscn gewöhnlich nicht zu treffen. Läßt sich »on ihren Tugenden weniger sagen, so liegt der Grund davon wol nur in dem Nmstandc, daß sie Vewohner einer großen Stadt sind; doch mag Ehrlichkeit, Offenhcit und Gulmüil'igkeit il'nen eben nicht abgcläugnct werden tonnen, nur springe» sie nicht immer scharf genug in die Augen; deutlich tritt dagegen, be- sonders bei dem weiblichen Geschlechte, ein vorwaltend religiö- ser Sinn hervor. Das Familien - Lebcn. Nach den Eigenheiten des Volkscharaktcrs und der unse- rer Zeit überhaupt eigenen Sittenverschlimmerung dürfte viel- leicht auch das Gratzer-Familien-Leben in den unteren Sphä- ren der Gesellschaft in der Regel jener Gemüthlichkeit und Wärme ermangeln, jene frohe Thcilnahme an den stillen Freu- den des häuslichen Kreises vermissen lassen und jene innige Anhänglichkeit der Familicnglieder an einander nicht zeigen, die es vordem überall auszeichneten und ohne die man sich auch kein häusliches Glück und keine gelungene Erziehung der Kinder denken kann. Das Weib läßt nicht selten den Mangel derjenigen aufopfernden Hingebung für die Ihrigen durchbli- cken und jene zarte Scrglichkcit für die häuslichen Zwecke der Familie vermissen, von denen das Wohl der ihrer Obhut und Pflege anvertrauten Kinder abhängen; es strebt mitunter gar zu sehr nach Thcilnahme an den Vergnügungen der Außen- welt und überläßt deßbalb die Wartung und Aufsicht ihrer Erzeugten mehr als gut ist, lieblosen Mietlingen, die für das
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Grätz Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
Titel
Grätz
Untertitel
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
Autor
Gustav Schreiner
Verlag
Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
Ort
Graz
Datum
1843
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
11.55 x 20.25 cm
Seiten
638
Schlagwörter
Graz, Steiermark, Stadt
Kategorien
Geschichte Chroniken
Geschichte Vor 1918
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