Seite - 415 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
Bild der Seite - 415 -
Text der Seite - 415 -
415
ter Denjenigen begründet würde, welche an der Pflege der
Wissenschaft und Kunst, an der Leitung des Staates und des
Gemeinwesens Thcil nehmen oder durch Geistesbildung über-
haupt über die Menge emporragen, so wie auch insbesondere
der Mangel an solchen Zusammenkunftsortcü, an denen ein
allseitiger Austausch der Ideen und Ansichten eine lebhaftere
geistige Anregung hervorriefe, hat zu verschiedenen Zeiten, auch
hier wie anderwärts, einen kleinen Kreis geistig befreundeter
Männer veranlaßt, sich wöchentlich an bestimmten Tagen ab-
wechselnd in der Wohnung des Einen oder des Andern zu
versammeln, und durch Lectüre und Gespräch über die Fächer
ihres Berufes sich wechselseitig geistig ,u fordern; allein diese
Zusammenkünfte lösten sich im Wechsel der Zeilen und Per-
sonen meist wieder auf. — Noch immer versammeln sich je-
doch mehre Naturforscher an dem einen, Botaniker an einem
andern, Acrzte an einem dritten Orte; und eben so auch die
Advocaten und Ncchtsgclehrtcn, die Techniker, u^id einige
Freunde der schönen Literatur. Diese partiellen und einseiti-
gen Behelfe befriedigen aber nicht das Bcdürfniß nach einem
allseitig freien, lebendigen, geistigen Verkehr, in dein das
Gleichgesinnte sich begegnen, fördern und kräftigen, entgegen-
gesetzte Ansichten sich annähern, verständigen und befreunden,
der angehende Litcralor sich belehren und überhaupt jeder
Gebildete gründlich unterrichten könnte. Diesem Bedürfnisse
geniigen weder der Lcsevercin, noch das Casino, noch die Res-
source, da die wesentliche Natur dieser Institutionen gaiu an-
deren Zielen zugewendet ist. — Das Vcdürfniß nach solchen»
geistigen Verkehre ist unbestreitbar vorhanden und gibt sich
auch ausier jenen partiellen Versammlungen sonst noch auf
mannigfaltige Weise durch die Bildung von Privatvcreincn zur
Lcctüre und zum Austausche der neuesten Werke der Literatur,
durch erhöhte schriftstellerische Thatigkeit, durch eine regere
Tbcilnahme an den Erscheinungen des öffentlichen Lebens, durch
viel öftere Reisen in die Fremde u. dgl. m. kund. — Das Rei-
sen insbesondere liat seit einigen Jahren in Gratz nicht blcß
unter der studierenden Jugend, sondern auch unter den Er-
wachsenen aller Ständeclassen sehr zugenommen, und wird in
Zukunft nicht wenig da;u beitragen, die Begriffe über viele Ge-
genstände des Lebens aufuiliellen und den geistigen Gesichtskreis
zu erweitern. — Mit besonderer Vorliebe wird auch die Erler-
nung fremder Sprachen betrieben, was besonders von der fran-
zösischen, englischen und italienischen Sprache gilt. Die Pflege
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918