Seite - 418 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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dem deutschen Orden die Errichtung und Besorgung einer
freien Sclmlc mit dem vollständigen Diseiplinarrechte, einen
eigenen Seclastiter cder Direktor ainustellen, ilin N'ieder ui
entfernen, und alle Vergehungen der Schüler cl'ne Da;wi-
schentunft des Stadtgerichtes cder anderer weltlichen Gerichte
zu rügen und zu bestrafen. Um das Jahr 1500 ward diese
Freischule von dem deutschen Orden ga,n abgegeben, und an
die Pfarre m St. Aegvdcn in die Stadt übertragen. Er;l'er-
zcg Karl II. fand bei seine,n Regierungsantritte im I. 15>!>4
das Unterriäuswesen in Steiermark und Grä!) sehr vernach-
lässiget, und dagegen die protestantischen Lehranstalten in einer
seine eigene Denk- und Fülilweisc sehr beunrulügenden lieber-
macht und Ausbreitung. Als Gegenmittel war ihm jetzt sehr
willkommen der in Spanien, Frankreich und Deutschland sich
erhöhende Ruhm der Ieniitensckulen und die ;unedmende Ver-
breitung der Gesellschaft Jesu. In Folge der schriftlichen und
mündlichen Unterhandlung mit den Jesuiten erhielten sie so-
gleich die Psarrschulc bei St. Aeg'.'den ,ur Besorgung und die
von K«'ls Hand unterfertigte Urkunde vom 12. Nov. 15,7^
für ein selbstständigcs Ccllegium und Unterrichtswesen mit fest-
gesetzter Dotation. — Nach (?rchcr!ogs Karls Vorliaben sollte
diese Lehranstalt bis zur Ausdehnung und Würde einer Aca-
dcmie oder Universität erweitert werden. Der Bau der Lelnsale
begann scfert. Bis in das Jahr 1584 war das große neue
Schulgcbaude Uemlich vollendet, worauf der Onbcncg am
1. Jänner 1585 in erweiterten Diplomen Bestätigung des
Lehr-Institutes, vermehrte Dotation mit jährlichen Renten
und die Erklärung gab: daß er dasselbe m einer allgemeinen
öffentlichen Ttudicnanstalt, Gvmnasium, Academic und Uni-
versität erhebe; daß dasselbe für immer die Benennung „Aca-
demic, Universität" beibehalten und das Reckt genießen und
üben solle, die absolvirtcn Schüler zu den höheren wissenschaft-
lichen Würdegraden, zum Vacealaureate, zur kicentiatur und
zum Toctcrate der freien Künste und aller theologischen Wis-
senschaften ;u erbeben mit allen auf den Universnätostudien
durch Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich üblichen
Freiheiten der Graduirten. Papst Sinus V. sendete zugleich
im I. 1585 und 1586 zwei Vcstätigungsbullen, und K. Ru-
dolph II. crtbeilte zu Prag am 29. April I5>8N sein kaiser-
liches Confirmationsdiplom. Die Installirung und Eröffnung
der neuen Universität geschah dann sogleich in der Aegvden-
kirche mit großer Feierlichkeit und Ucbergabe der Fundaticns-
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918