Seite - 453 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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die Bildung taubstummer Kinder in einer etwa künftig entste-
henden derartigen Anstalt in Steiermark ;u widmen. Nach
dem Wunsche des Stifters wurde der Willbrief auch von den
Ständen unterfertiget, und wenn jenen bei dieser Anordnung
die Hoffnung leitete, die Stände werden die von ihm ange-
regte schöne Idee kräftig in das Werk setzen helfen, so hat er
sich, wie der Erfolg zeigt, nicht getäuscht. Kaum hatte näm-
lich das t. k. Gubernium, welches sofort die allerhöchste Ge-
nehmigung (vom 16. August 1830) einer zu gründenden
Taubstummen-Lehr- und Erziehungsanstalt erwirkte, an selbe
das Ansinnen dcr Mitwirkung zur Verwirklichung jener edlen
Absicht gestellt, so fügten sie zu den aus dcr Holdhcim'schen
Stiftung entstandenen d Handstipcndien ihrerseits noch 5, ur-
sprünglich mit jährlichen 59, jetzt aber mit 85 si. ß. M. für
jedes derselben, hinzu; übernahmen zur Schonung des Grün-
tungscapitals sowol die erste Einrichtung der neuen Anstalt,
als auch die Kosten der theoretischen und praktischen Ausbil-
dung des zum ersten Lehrer desselben bestimmten Priesters
Veit Nischncr, welcher zu diesem Ende an das berühmte k. k.
Taubstummen-Institut nach Wien gesendet werden mußte,
und auch die Besoldung des Personals, welches derzeit aus
einem Director, dcr zugleich Katechet und erster Lehrer ist,
einem zweiten Lcbrer, einem Lehrgchülfcn, Institutsdiener und
einer Arbeitslehrerinn, die zugleich Mälchenwarlerinn ist, mit
der humansten Bereitwilligkeit auf ihre Kasse; so daß diese
aus der großmü'thigen Anregung eines edlen Unbekannten her-
vorgegangene Anstalt nun füglich als eine ständische angesc-
ben werden kann. Später wurde dieses Institut noch durch
die Benützung wohlhabender Acltcrn solcher Unglücklichen in
der Art vermehrt, daß gegenwärtig (1843) 39 taubstumm«
Zöglinge darin erlogen und unterrichtet werden, von denen
39 sich einer Stiftung erfreuen. Der Lehrcurs dauert sechs
Jahre und dcr Unterricht wird in drei sslassen gegeben. Seit
dem Bestehen der Anstalt wurden 128 Schüler aufgenommen,
davon 69 vollständig gebildet und 29 wegen Blödsinns und
vorgerückten Alters entlassen.
Die Anstalt befindet sich in der Vorstadt Graben im so-
genannten Valentiniscken Hause, und besteht aus zwei Gebäu-
den, von denen das kleinere nun Schulunterrichte dient. Ein
geräumiger Hof und ein großer Garten und Wicscnplatz dient
den Kindern zur Erhohlung und zur Ucbung in ländlichen >
Arbeiten. Die jetzige Localität ist nur gemietet, aber man
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918