Seite - 492 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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Volkssage erhalten hat. Wülfing hatte zwei Tochter, Katharina
und Anna, crstere an einen Ritter von Tlial verekelicht, letz-
tere hingegen in der Vlütc ihrer Ialne und von manchem
Freier ausertohren. Ein reicher Eitler war!) um sie und ward
auch von Wulfing freundlich aufgenommen. Leider hatte aber
der Tochter Her; längst für einen Anderen entschieden. Der
Sitte der Zeit gemäß tonnte nur ein Zweikampf entscheiden,
der auch 'wischen beiden Bewerbern am St. Margarethcn Tage
auf dem Turuierplaye der Vurg, der noch heule der „Lind-
garlcn" genannt wird, stattfand. Trostlos für die Liebe endete
der Kampf, und als der Geliebte uom Schwertc getroffen nie-
derstürzte, eilte Anna auf die nahe Felsenspitze und sprang ent-
schlossen in die Tiefe hinunter'). Der Anblick il'rcs zerschmet-
terten Leichnams brachte den alten Vater ;ur Verzweiflung,
so daß er vom Schlage gerührt todt zur Erde niedersank. Noch
bis heute behielt der Felsen den Namen „Iungfernsprung."
Durch das Aussterben dieses Stammes gelangte die Burg
mit ihrem Gebiete in den Besitz des Landesfürsten. Vom I.
1264 bis ;um Ende des XV I. Ialirl'underts wurde diese
Vestc von Vögten und Pflegern verwaltet, oder pfandweise an
adelige Herren des Landes, wie ;. V. an die Minndorfcr,
Wcißenegger, Trautmannodorfe u. s. w. abgetreten. In letzte-
rer Zeit hat sie die Familie Schrottenbach besessen; da diese
aber der neuen lutlierifchen Lehre nigethan war, so ist sie vom
K. Ferdinand l l . eben so wie viele andere adelige Familien
des Landes mr Auswanderung genötlngt worden. Kumar am
a. O. S. ü!) erzählt vom letzten Besitzer Göstings aus obge-
nannter Familie folgende Anecdote: Es war damals strenge
verboten, an Sonn- und Feiertagen die Messe zu versäumen,
und der Graf von Schrottenbach wurde überwiesen, während
der Messe einen Hirsch geschossen ;u liaben und darum zu
einer Strafe von 100 Dukaten verurihcilt. Als später K. Fer-
dinand nach Grätz kam, und allen Adeligen befohlen wurde,
bei Hof in ihren besten und theuerstcn Kleidern iu erscheinen,
zog der Göstinger die Hose an, die er sich aus der Haut jenes
Hirschen hatte machen lassen. Da der Kaiser diesen gemeinen
Anzug bemerkte, erzürnte er sehr darüber und wurde erst be-
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918