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Das neue Schloß Gösting ist im neueren Stvle gebaut,
und würde ungleich mehr Effect machen, wenn die 'cage nicht
so ungünstig gewählt wäre.
Ein geräumiger Garten im französischen Gcschmaeke
schließt sich an das Schloß und beide stoßen an die Häuser
des gleichnamigen Torfes, nächst welchem sich auch ein der
Herrschaft angehoriges Brauhaus befindet; letzteres wird im
Sommer von den Bewohnern der Stadt besucht.
Die Ruine und das neue Schloß Thal.
Schon auf Kälber Bergcshihe im Ansteigen nach der
Ruine Hosting tritt in nicht großer Ferne gegen Süden aus
düsterem Waldesgrün das verfallene Gemäuer eines Rittccschlos-
ses hervor. Es sind dieß die Reste der ehemaligen Thalburg,
eines Schlosses, das, wenn nicht älter als Hosting, doch we-
nigstens in derselben Zeit, als dieses, sein Dasein erhielt.
Auch diese Burg soll durch Ansiedler aus Baicrn erbaut wor-
den sein. Ein Emcrich von Thal lebte schon zur Zeit Karl
Martells in Vaiern. Es gehört dieß jedoch mehr der Sage an.
Das Geschlecht der Edlen von Tl,al (>Ie Volle, <w Vn!-
lai, Vaüi'ig) erscheint in steiermärkischen Urkunden schon im
XII. Jahrhundert und erhielt sich bis uim Ende des XIII. Jahr-
hunderts. Nach Aussterben dieses (Geschlechtes kamen Schloß
und Saalgüter an die Landcssürsten und von diesen theils
pflegweise, theils in Pfandbesitz an verschiedene Landcscdle.
Später ging diese Veste in die Hände der Ritter von Win-
difchgrätz, Freiherrn aus Waldstein, über, wo sie bis l>u,n An-
fange des XVII, Jahrhunderts blieb. Die Neligionsverfolgung
unter Ferdinand II nötlngie die der Lehre Lutlier's ergebenen
Familien nicht nur ihre Vesitzthümer, sondern sogar das Vater-
land >u verlassen, und so wurde Thalburg wieder ein landes-
fürstliches Eigentlnmi und ging erst später (1621) als Geschenk
K. Ferdinands II. an dessen Liebling Hans Ulrich von Eggen-
berg über. Wohl erhalten stand das Schloß noch im I. 10^1.
Von dem Tcrse Gösting aus führt durch eine enge
Vergschlucht ein Fahrweg nach Thal. In abwechselnden Win-
dungen schlängelt sich neben dem murmelnde« Vächlein der-
selbe fast durch eine halbe Meile. Nur einige Vauernlnitten
stehen am Eingange dieses stillen, einsamen Gebirgsthales,
später verschwindet alle menschliche Spur und nicht einmal
das Auge vermag sie in der Ferne zu entdecken. Der düstere
Charakter dieser Lantschaft gewinnt noch mehr, je naher man
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918