Seite - 513 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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dem Namen „Florianiberg" bekannt, erreicht fast die Höhe des
Buchkoqels.
Auf felsiger Vcrgesspitze hingestellt, blickt das alte Kirch-
lein bescheiden zwischen Fichten und Buchen hervor. Von K.
Ferdinand II. und seiner Gemablinn Maria Anna um das
Jahr l597 in seiner gegenwärtigen Gestalt erbaut, scheint das-
selbe jedoch schon viel älteren Ursprungs zu sein.
Am ersten Sonntage nach St. Florian, d. i. in den
ersten Tagen des Mai's wird hier feierlicher Gottesdienst ge-
halten, wozu bei günstiger Witterung oft eine erstaunliche
Menge Menschen aus allen Classen uisammenströmt. Die Sitte
verbindet damit ein wahres Volksfest ländlicher Art. Das erste
Grün, der erste Schmuck der Blütenblätter, die lauen bal-
samischen Lüfte des wiederkehrenden Leines übe» auf den Städ-
ter wie auf den Landmann einen gleich bezaubernden Ein-
druck aus. Mit beflügelten Füßen eilt dann Alt und Iuug
in diese reuende Gegend, erklimmt im Morgcnthaue die locken-
den Vergspitzen, um beim Anblicke der großartigen Natur sich
des wiederkehrenden Lebens in der Schöpfung ;u erfreuen. Was
das Herz des nur an wenige Bedürfnisse gewobntcn Menschen
erfreuen kann, siebt er liier vereiniget. Dort einen ländlichen
Markt von Hol,- und Eisenwaarcn, von Strohhüten, Sommer-
kleidern, Tüchern, von Heiligen-Bildern und Rosenkränzen
u. s. w., hier Küche und Keller, zwar auf das einfachste ein-
gerichtet, aber darum nicht weniger werth. Wo es der Raum
gestattet, reiht sich Zelt an Zelt, Laubhütte an Laubbütte, und
durch die freigelassenen Gassen wogt die bunte Menge in dich-
tem Gedränge hin und wieder. Gastlich sind im Schatten der
Väume Bänke und Tische bergerichtet. Ein volles Faß und
ein Herd aus Nasen gemauert reichen hin, um schon von ferne
einulladen. Iudcß fehlt es an anpreisenden Aufrufen nicht,
und an den Aesten der Baume lockt mancher verführerische
Schild °). Hier bat der Salamimann, der Kaseträmer und der
Lebtuchcnhäudlcr vollauf ,u thun. Die Körbe mit verschieden
geformten Vrodcn, Kipfeln und wie das alles beißt, gefüllt,
leeren sich in wenigen Stunden mehrmals. Würste, in tragba-
ren Blechkcsseln gesotten, machen sich überall Bahn, ebenso der
Kaffee, wenn er nur reichlich mit Cichorium gewürzt ist. Hier
setzi man sich zum Frühstücke, dort zum Mahle nieder. Der
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918