Seite - 523 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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der Frühlings-Safran (s'rocuz veinuz) und die Levkoje
ooiuirl veln^,»), die gegenwärtig hier schon gan> ausgerottet
sind, sproßten einst aus diesem Hügel in Menge. Die sanfte
Abdachung dieses Berges nach Westen, die fruchtbaren Ge-
treidefelder , die sich bis nun Nucken desselben hinauniehen,
die schöne Aussicht über die Stadt und die Umgegend, die
sich beinahe von c^dem Puncte aus darbietet, machen beson-
ders im ersten Frülilinge den Nuckerlberg zum Licblingsuel
der Spaziergange. Aber nicht bloß, was das Auge erfreut,
wirkt hier allein ansehend; zahlreiche Wirthshäuschen im ru-
stiken Geschmacke mit frischen Lauddächern über Reihen von
Zanken und Tischen; Kaffccschanken, niedlich eingerichtet, mit
Gärtchcn, Pavillons u. s. w., wirken eben so und noch mehr
drastisch, und bemächtigen sich ost an Sonntagen bei günstiger
Witterung einer großen Menge Publikums aus allen Classen.
Wunderlicblich mit der Fronte gegen die Stadt gerich-
tet und beinal'e gan; hinter Obstbäumen versteckt, liegt nalie
am Fuße dieses Verges das Schloß Tparbersoach, auch Hal-
lerschlcsichen nach früheren Eigenthümern genannt. Sieht man
dieses freundliche Sorgenfrei zur Zeit, wenn sich die Millionen
von Blutenknospen nl einein dichten Rosenschlcier entfaltet
haben, so dünken einem selbst die Gärten der Hcsperiden nicht
zauberreicher.
Dem Nucken des Ruckerlberges folgt seiner weiteren Er-
streckung ein Falirweg nach allen Krümmungen. Zunächst ge-
langt man auf demselben nach Lustbüchcl, einem die ganze
Gegend durch seine erhabene Lage dominirendcn Schlößchen,
dann sofort nach Haberbach, bald an Getreidefeldern, bald an
Waldrändern vorüber. In einer Entfernung von beiläufig
nvei Stunden wendet sich die Straße noch immer dem Gebirgs-
rücken folgend nach links. Nicht lange, so treten schon einzelne
Bauernhäuser und endlich ein niedliches Dörfchen „Hönigthal"
entgegen. Hönigtbal hat vielleicht seinen Namen von dem
Honig spendenden Hcidekorne <^a!vz;s>»u,n b'-iZupv'i'um), das
hier in großer Menge gebaut wird, und die gaine Gegend !ur
Blütenzcit der Pflanze mit Honigduft erfüllt. Herrlich nimmt
sich von dieser Hohe im Norden der Gebirgszug vom Schöckel
bis zum hoben Ze; (iNonz <^eliu3) aus, und nach Osten und
Süden verliert sich das Auge in das gesegnete Hügelmeer der
Steiermark.
Hat man sich hier etwas erfrischt, wo;u ein gan; erträg-
liches Wirthshaus Gelegenheit verschafft, so kann man ciuwe-
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918