Seite - 537 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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bojischcn Werte (^»»eni^ia oder Gränitz, Granze ableite,
und so tcn Gegensatz von Windisch- und Vojisch- oder Vaie-
risch-Gracz erklärte; obgleich Andere, wie z. V. der uns Allen
so wcrlhe Custos des t. k. Münz- und Antiken - Cabinets in
Wien, I. O. Scidl ' ) , auf eine Ableitung aus dem Celtischen
hinweiset; obgleich sonnt die slawische Abstammung des Wor-
tes nicht« weniger als gen'iß ist, so will ich doch die Slavcn
niätt um die Ehre bringen, der Hauptstadt der Steiermark
den Namen gegeben ;u haben. Auch bedarf es hier dieser
Art der Vcweiscntträftung nicht, um zu zeigen, daß, trotz
der Anerkennung der Nichtigkeit dieser Ableitung dennoch heut
zu Tage in der als Schrift- und als Umgangssprache der
Gebildeten allgemein angenommcncn neuhochdeutschen Mund-
art Gratz gesprochen und geschrieben werden müsse.
Es gab ja vor Allem der hochgeehrte Freiherr in seinen
in der Versammlung deutscher Naturforscher und Acrzte gehal-
tenen Vorträgen selbst zu, »daß die hochdeutsche Sprache in
„ ihrem Bi ldungsgänge den schönen kellen Vocal des ho-
„htn A vielfach mit dem dumpfen^?) mäckcrnden(!) G ver-
tauscht habe." Nun, in diesen Worten des Gegners liegt ja
schon ganz deutlich die Rechtfertigung der Schreibweise Grätz
für unsere Zeit, die denn doch nicht zur Schreibart der Jahre
des beginnenden Mittelalters wird zurückkehren, oder durch An-
dere zurückgeführt werden wollen. Tic Aufforderung des Frci-
l'errn v. Hammer-Purgstall an die Damen, welche in dem
herrlichsten Krainc die Gallerien des großen Sitzungssaales der
21. Versammlung deutscher Naturforscher und Acrzte schmück-
lcn: das volle, männliche, offene A doch ja dem mäckcrndcn
<3 vorzuziehen und in Hinkunst Gratz und nicht wie bisher
Gratz zu sprechen, war somit ein wenn gleich ernstlichst ge-
meinter, doch übel angebrachter Äath, indem diese holden Ge-
nien des irdischen Lebens durch die Befolgung dieser Auffor-
derung nur mit sich selbst, das ist mit ihrer anderweitigen
schonen, dem Geiste der Zeit entsprechenden Redeweise in einen
höchst unangenehmen Widerspruch kommen würden; oder sollten
sie etwa auch noch Wagen, Kragen, Schrägen und hun-
dert andere Worte aus der Mundart der Wäscherinnen am
Gratzbache, auf die in jenen Vortragen als auf eine gewich-
tige Authorität hingewiesen wurde, sich aneignen? — und
wenn nicht, warum sollten sie denn bei dem einzigen Namen
>) S- lie k. e. pri». W,en. Zeitung vom >:. Mai »l«, Nr,!'«, S-
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918