Seite - 231 - in Guido Adlers Erbe - Restitution und Erinnerung an der Universität Wien
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ISBN Print: 9783847107217 – ISBN E-Lib: 9783737007214
stücke“ enthielten, welche Guido Adler in seiner Eigenschaft als Ordinarius
abgefasst hätte. Diese Faszikel waren in Papier verpackt und trugen gemäß
Nowak folgende Aufschriften: „Akademische Besetzungsvorschläge“, „Hand-
schriftliche Gutachten und Kollegenmaterial“ und „Akten und Briefe zum
Vorschlag1927“.7
Letztlich entschied das Bundesministerium für Unterricht trotz Nowaks
Widerstand zugunsten des Restitutionswerbers, jedochmit der Auflage, dass
von denManuskripten imNachlass für die NationalbibliothekKopien herge-
stellt werden dürften. Außerdem schloss man sich Nowaks Einschätzung an,
dass die als „irrtümlich“ im Nachlass bezeichneten „Dienststücke“ der Uni-
versitätWiengehörenwürdenunddeshalbdemRektoratderUniversitätWien
ausgefolgtwerden sollten.8DavonwurdeauchdieUniversität verständigt, und
am 18.Dezember 1950 bestätigte ein Mitarbeiter der Rektoratskanzlei dem
LeiterderMusiksammlungdieÜbernahmederdreiFaszikel.Schonamnächsten
TagwurdensiemitBegleitschreibendesRektorsdemUniversitätsarchivüber-
mittelt.9
DierascheEntscheidungdesRektors JohannesGabriel (1896–1964),diedrei
Faszikel aus demNachlass vonGuidoAdler demUniversitätsarchiv zu über-
geben,erscheintnaheliegend.Dennochkönntemanfragen,weshalbnichtauch
dasmusikwissenschaftliche Institut als Aufbewahrungsort der vonNowak so
bezeichneten„Dienststücke“ inErwägunggezogenwurde.Schließlichwardort
immer noch Erich Schenk als Vorstand tätig, er fungierte 1950/51 sogar als
Dekan der Philosophischen Fakultät, und es ist wahrscheinlich, dass er, der
schonbeimRaubdesNachlassesmitgewirkthatte,auchüberdieRestitutionund
diedamitverbundenenAuflagenBescheidwusste.DiedreiFaszikelhattensich
sogarschonzuvorfürkurzeZeit inseinemInstitutbefunden,dennerstnachder
Einigungmit derNationalbibliothek,wonachdemInstitut dieBücher unddie
Noten,derBibliothekhingegenderhandschriftlicheNachlassAdlerszustünden,
hatte Schenk1942 insgesamt51Konvolute andieMusiksammlungabgetreten,
und zwar in zwei Lieferungen von je 26 bzw.25 Konvoluten.10Die bereits er-
wähnte Bestandsliste von Leopold Nowak aus dem Jahr 1950, in der die drei
Faszikel mit „Dienststücken“ eigens hervorgehoben waren, entspricht genau
diesen Zahlen.11Mankann daher vermuten, dass wegen der schon bald nach
KriegsendegegenSchenkgeäußertenVorwürfe,welcheseineaktiveRollebeider
7 Ebd.
8 UAW,Akad.SenatGZ181aus1950/51, SchreibendesBMUvom4.12.1950 (Durchschrift).
9 UAW,Verwaltungsakten des Universitätsarchivs, UAZl. 23 aus 1950/51,Übernahmebestä-
tigungvom27.12.1950.
10 Hall/Köstner:Nationalbibliothek (Anm.2), S. 297.
11 WieAnm.6.
KommentierteListeder2012/13 restituiertenArchivalienGuidoAdlers 231
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Guido Adlers Erbe
Restitution und Erinnerung an der Universität Wien
- Titel
- Guido Adlers Erbe
- Untertitel
- Restitution und Erinnerung an der Universität Wien
- Herausgeber
- Stefan Alker-Windbichler
- Murray Hall
- Markus Stumpf
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0721-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Political Science, National Socialism, Nazi-looted, musical life, provenance research, Nationalsozialismus, NS-Raub, Musikleben
- Kategorie
- Kunst und Kultur