Seite - 232 - in Guido Adlers Erbe - Restitution und Erinnerung an der Universität Wien
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ISBN Print: 9783847107217 – ISBN E-Lib: 9783737007214
EntziehungdesAdler-Nachlasses thematisierten,12demRektorderUniversität
Wien eineÜbergabeder Faszikel andasmusikwissenschaftliche Institut nicht
opportunerschien.DaerüberdenVorgangdemAkademischenSenat,welchem
zudieserZeit auchErichSchenkalsDekanangehörte, keinenBericht erstatte-
te,13 sinddazu jedochkeineweiteren Informationenverfügbar.
Die Bewertung der drei Faszikel als nicht zumNachlass gehörige „Dienst-
stücke“durchLeopoldNowak,dersichgegendieRestitutionwehrte,hattewohl
taktischeGründe.EswareinesderArgumente,die seinerMeinungnachgegen
die Rückstellung an den Erben sprachen. Entgegen Nowaks Einschätzung
wurden die drei Faszikel im Universitätsarchiv sehr wohl in die Nachlass-
sammlungintegriert,14wobeiausdenvorhandenenUnterlagennichtersichtlich
ist, in welchem Ausmaß der damalige UniversitätsarchivarWalter Goldinger
(1910–1990), derdasArchivnurwenigeStundenproWochenebenamtlichbe-
treute,überderenVorgeschichte informiertwar, insbesondere, ob ihmdieBe-
wertungNowaksbekanntwar.
Zwar hatteNowakmit seinemBefund, dass es sich zumGroßteil umeinen
Schriftverkehr Adlers handelte, der mit seiner Funktion als Ordinarius der
Musikwissenschaft an der Universität Wien untrennbar in Zusammenhang
steht, weitgehend recht, seine Schlussfolgerung jedoch, dass es deshalb
„Dienststücke“wären, dienicht indenNachlass gehörtenund rechtmäßig der
Universität zustünden, ist zuhinterfragen.BeiwissenschaftlicherTätigkeit von
UniversitätsprofessorenisteinesäuberlicheTrennunginprivateunddienstliche
Angelegenheiten immer schwierig. Es ist richtig, dass eine große Zahl der
schriftlichenDokumenteAdlers als Beantwortung vonZuschriften desMinis-
teriums fürKultusundUnterricht verfasstwurde– im fraglichenKonvolut als
eigenhändigeKonzepteenthalten–,keinedieserKorrespondenzenfolgtejedoch
dem„Dienstweg“überRektoratundFakultät.15Vielmehr ist eswahrscheinlich,
dassdieZuschriftendesMinisteriumsanAdlersPrivatadressegerichtetwaren,
so wie etwa auch der Brief einer Auskunftsperson, die von Adler kontaktiert
wurde.16DieKorrespondenz zumErhalt derWienerHofkapelle verdankt sich
12 Hall/Köstner:Nationalbibliothek (Anm.2), S. 297–299.
13 Ergebnis der Durchsicht der Senatsprotokolle für das Studienjahr 1950/51 (UAW, Akad.
Senat,Hs.R28.86).
14 Zuletzt verzeichnetmitderArchivsignaturAT-UAW/131.60.
15 Dies ergabdieNachschau indenentsprechendenBeständendesUniversitätsarchivs. Zwar
wurde dasGutachten zumEditionsvorhaben „DasVolkslied inÖsterreich“ (weiter unten
Nr.2,fol. 64–73)zunächstvoneinerZuschriftderniederösterreichischenStatthaltereiandie
PhilosophischeFakultät veranlasst, da jedoch inweitererFolgedasMinisteriumbeschloss,
die Fakultät indieseAngelegenheit nichtweiter einzubinden, bildet auchdieser Fall keine
richtigeAusnahme.
16 Vgl.dasSchreibenvonEmilBezecnyvom11.02.1908,sieheweiteruntenNr. 1.9., fol. 40.Die
UlrikeDenk/ThomasMaisel232
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Guido Adlers Erbe
Restitution und Erinnerung an der Universität Wien
- Titel
- Guido Adlers Erbe
- Untertitel
- Restitution und Erinnerung an der Universität Wien
- Herausgeber
- Stefan Alker-Windbichler
- Murray Hall
- Markus Stumpf
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0721-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Political Science, National Socialism, Nazi-looted, musical life, provenance research, Nationalsozialismus, NS-Raub, Musikleben
- Kategorie
- Kunst und Kultur