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Handbuch der Ornamentik - Zum Gebrauch für Musterzeichner, Architekten, Schulen und Gewerbetreibende sowie zum Studium im Allgemeinen
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678 Zierschriften. allmählich zurück; dagegen verschmähten die ersten Künstler der Re- naissance, wie Holbein u. a. es nicht, den Typographen die Zeich- nungen zu Initialen und anderem Schriftwerk zu erstellen, wie zahllose alte Bücher erweisen. Da die Einführung des Christentums in Deutsch- land durch die Iren erfolgte, so zeigen sich die nordischen Einflüsse auch im Schriftwesen. Während die Schriftverzienmgen bis zum IG. Jahrhundert fast ausschliefslich den Charakter des Flechtwerks und der phantastisch verschlungenen Tiergestalten zeigen, be- ginnt von da ab eine kräftige Pflanzenornamentik sich zu entwickeln, die in der späteren Gotik schliefslich in ein endloses Schnörkelwerk wirrer Linien ausartet. Die Renaissance behandelt das Initial mit Vorliebe in quadratischem Rahmen und es gehören diese Bildungen zum Schönsten, was die Schriftverzienmg überhaupt auf- zuweisen hat. Die verschnörkelten und überkünstelten Verzierungen, die späterhin und hauptsächlich im 17. und 18. Jahrhundert in der Typographie sich breit machen (Fig. 2, 3 und 5 auf Taf. 294), entstammen den Schreibkünstlern dieser Periode oder sind Übertra- gungen ihrer Leistungen auf den Buchdruck. Unsere moderne Zeit zehrt wie auf so vielen anderen Gebieten, an alten Vorbildern der verschiedensten Zeiten; mit Recht, wenn sie auf Gediegenes, mit Un- geschick, wenn sie auf Verwerfliches zurückgreift. Über jene Sünden im modernen Schriftwesen, die darin gipfeln, dass perspektivische Lettemreihen, die in allen möglichen und unmöglichen Stellungen und Lagen Häuser und Büchertitel verunstalten, hängt man am besten den Deckmantel schweigender Nachsicht. Gegen diese Stilsünden sind jene süfslichen, aus Rosen- imd Vergissmeinnichtguirlanden gebildeten Schrift- züge der Schäferzeit immerhin noch anerkennenswerte Leistungen. Über die zahlreichen technischen Bezeichnungen der jetztzeitigen Gebrauchsschriften lässt sich nur sagen, dass eine grofse Willkürlichkeit und Unklarheit in der Anwendung derselben herrscht, so dass von einer Aufzählung derselben am besten ganz abgesehen wird. Wer sich darüber informieren will, greift am besten zum Musterbuch einer tüchtigen Schriftgiefserei. Man hat frühzeitig schon versucht, gewisse Alphabete nach einem bestimmten System zu konstruieren, dieselbe in Netze einzuzeichnen; Höhen- und Breitenverhältnisse des ganzen Buchstabens, sowie die Mafse seiner Einzelteile u. s. w. festzustellen; so hat sich unter anderen auch Dürer mit dieser Aufgabe befasst. Der Raum hat es nicht erlaubt, diese Konstruktionen beizugeben; auf Taf. 300 sind gewisser- mafsen nur als Proben einige Konstruktionen verschiedener Schrift- arten angedeutet. Die Bezeichnung der Zahlen durch Ziffern stammt aus dem Ende des Mittelalters. Die Ziffern sind eine arabische Erfindung, wo- nach sie auch benannt werden. Taf. 300 zeigt 2 Zusammenstellungen von Ziffern aus älterer Zeit, welche zum Teil von den jetzt gebräuch-
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Handbuch der Ornamentik Zum Gebrauch für Musterzeichner, Architekten, Schulen und Gewerbetreibende sowie zum Studium im Allgemeinen
Titel
Handbuch der Ornamentik
Untertitel
Zum Gebrauch für Musterzeichner, Architekten, Schulen und Gewerbetreibende sowie zum Studium im Allgemeinen
Herausgeber
Franz Sales Meyer
Ort
Leipzig
Datum
1937
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
9.6 x 15.7 cm
Seiten
628
Kategorie
Kunst und Kultur
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