Seite - 310 - in Das Wiener Handwerksordnungsbuch - (1364–1555)
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310 VI.2.Edition
[1.] Vonerst es solkainkolèr,der sichmaisternennetb, vonkainemwagenkol, er sey
grossoderklain,nichtkolnemennochderkolfùrer imdasnichtgeben inkainerlayweis;
und der pawr, der das kol furet, mag zu herwerg sein, wo er wil, und da zeren, wie vil er
wilnach seinemgevallen,unddarinn sol imnyemantkainyrrung tùn.
[2.] Item es sol ain yeder pawr, der da kol herbringt, sein kol selber verkauffen, und
sol auch kain koltrager oder kolmesser noch kolèr nyemanden kol kauffen, es sey denn
derherroder sein anwaltpeydemkauf.
[3.] Itemes sol ainyederkolmesservondempawrzu lonnichtmernemenzumèssen
denn ye von funf stubichen ainen phennig, als offt sich das pùret. Wèr aber, das der kol-
messer abfùr, so sol der burger dem kolmèsser von dem wagen dartzù geben vìr phennig.
Ist aber, das der kolmessèr an demc Hof1 abmisset, so sol der kolfurèr dem messèr vier
phennigvondemwagenzuseinemegenan(ten) lònhintzùgeben,damit imdieselbenvier
phennig icht abgeen.
[4.] Itemsosol ainyederkolmesserd, derdakolmisset,denstubichunderdenwagen
setzenunddaskol ausdemwagendarinvallen lassenundalsomessen.Wèraber, dasder
stubich under den wagen ungeverlich nicht mocht, so sol der messèr trewlichen mit der
multernmessen.
[5.] Itemes solauchkainkolmessèr [66r] nochkoltragèrkain(en) sakchmitkolnicht
aussetzenweder andemHofnochanderswo.Werdasubervert,demwilmandazkolmit
demsakchnemenanalle gnad.
[6.] Item es sol auch ain yeder kolfùrer sein(en) phennig umb das kol selb innemen
und nicht der kolmesser. Wil aber der kolfùrer yemand porgen untz an die herwerg, das
magder coltragerdemkolfùrerpringendas stetmitdempawrn,desdaskol ist.
[7.] Item es sol ain yder koltragèr nicht mer zu lon nemen zu tragen von dem
sakch hinder sand Pangretzen2 denn ain(en) phennig und in der verr als gen sand Ste-
phan3 allenthalben in der stat drey helbing, und was in der stat verrer ist von dem
sakch zwen phennig, und fùr das Schottentor4 drey helbing, fùr Widmertor5 funf hel-
b -en-korr. aus -am-. c d- korr. d Erstes -e- korr.
165 1 ZumPlatzAmHof sieheobenNr.33Anm.1.
2 ZurPankrazkapellebzw. zurGegenddahinter vgl. obenNr.119Anm.2.
3 ZurStephanskirche sieheobenNr.22Anm.2.
4 Schottentor, als reiner Torturm Teil der Stadtbefestigung, zwischen den heutigen Ecken Schotten-
gasse 2/Helferstorferstraße 2 und Schottengasse 3/Mölkersteig (Wien I); 1839 abgerissen, vgl. O
, Grenzen
33;P
, Straßen127f.;K
, Stadtmauer83,85;O
–S
, Schlierbach-Plan50.
5 Widmertor, 1517 erstmals auch unter dem Namen „Burgtor“ belegt, Teil der Stadtbefestigung, im
heutigen Durchgang durch den Leopoldinischen Trakt der Hofburg; wahrscheinlich benannt nach dem Wit-
markt (also dem Holz- bzw. Kohlemarkt), nach dem Bau einer neuen Burgbastei 1531/32 nicht mehr genutzt
und wegen der Errichtung eines Wohntrakts zwischen 1553 und 1559 verschwunden, vgl. O
, Grenzen 33;
P
, Straßen 156; K
, Stadtmauer 85; O –S
, Schlierbach-Plan 47; M
, Raum- und
Funktionsanalyse437f.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Titel
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Untertitel
- (1364–1555)
- Autor
- Markus Gneiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Abmessungen
- 17.3 x 24.5 cm
- Seiten
- 674
- Schlagwörter
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen