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Nr.173–174 319
174.
DerRat [derStadtWien]a) regeltaufBittederLedererdenVerkaufvonLederundb)ergänzt
dieOrdnungderselben.
1447Juli 8.
HWOBfol.71r–v.
Druck: Hütter, Lederer 43f. – Teildruck: Feil, Beiträge 279. – Regest: Otruba–Sagoschen,
Gerberzünfte160.–Literatur:Uhlirz,Gewerbe678f.;Zatschek,Handwerk106.
Abervonden ledrernundLederhausswegena
[a] AnnoDominiMoCCCCo quadragesimoseptimodes samstags vor santMargretentag
habent mein herren des rats den ledrern hie zu Wienn durch irr fleissigen pet und ge-
mains nutzs willen des hantwerchs armen und reihen, den ledrern und auch den gessten,
die leder herpringent, von des verchauffens wegen des leders ain ordnung aufgesatzt und
gemacht, der si sich furbaserhalden sullen, als hienachgeschriben stet:
[1.] VonerstenhabentmeinherrenirhausinderWiltwerherstrass1gelegen,dasWolf-
harts von Puseùl2 gewesen ist, ausgetzaigt, darinn nu hinfùr all ledrer hieig und auch die
gesst,die lederherpringent,dasselb ir lederniderlegen,vailhabenundverchauffensullen,
diehieigen ledrer zaintzigen [71v] odermiteinander,wie sydes stat vindent.
[2.] Aberdie gesst sullent ir leder sambgeweisundpalngeweis, als sydasherpringent,
miteinanderhingebenundnichtzaintzigenodermitdemhundertundhinùberundnicht
darhinder angevèr.
[3.] Undsullent auchdieselbengestder stat vondemLederhaus3 zuzinsgebenalbeg
vondreissig fellenainpfennigundvonainergewarchtenhawtainhelblingunddieselben
heùt miteinander oder ze aintzigen heùtweis gantz hingeben, also das sy die heùt nicht
zesneiden.
[4.] Dann die hieigen maister die ledrer sullen alle jar von dem Lederhaus der stat
zu zins geben, sy haben darauf vail oder nicht, vir pfunt pfennig und die gesst ir leder,
das sy herpringent, nyndert alswo einlegen, vail haben noch verchauffen dann auf dem
egnan(ten)Lederhaus inmassen, als vorgemelt ist.
[b] Auch habent mein herren den hieigen ledrèrn irs hantwerchs gerechtikait gemert
undaufgesatzt:
[1.] Welicher sich nu˚ hinfùr hie auf dem hantwerch ze maister setzen welle, der sol
urchundprìngen,vondannerkòmensey,daser sichdaselbserberlichundfrùmklichent-
halden und seine lerjar gantz ausgedint hab, oder er beweis es hie vor dem rat mit erbern
leùten,unddas er auchainelichweibhabundburgerrechtgewinnmit aimhalbenpfunt
pfennig und geb in ir zech ain pfunt pfennig und sol auch das hantwerchb selbs mit der
handarbaittenkùnnenundbeweisen inainsmaisterswerchstatvordenbeschaumaistern,
174 aÜberschrift rubriziert. b Danach von anderer Hand links neben der Zeile mit Verweiszeichen eingefügt: ee
das er elichheyratodermitheyrat versprochenwirdet.
174 1 Wildwerkerstraße, in der heutigen verballhornten Form Wipplingerstraße, benannt nach den
Kürschnern (Wildwerker). Ursprünglich verlief die Straße vom Hohen Markt bis zur heutigen Parzelle Wipp-
lingerstraße3–5,nach1421–derVertreibungder JudenausderdarananschließendenJudenstadt–wurdeder
Abschnitt bis zudenheutigenParzellen16und17zurWildwerkerstraßegezählt, vgl.P
, Straßen158f.
2 Wolfhart von Puseul, Kürschner, gest. um 1440/43, wohnhaft in der Wipplingerstraße, Ratsherr
1427, vgl. dazuP
,Ratsbürger175Nr.70.
3 ZumLederhaus sieheobenNr.85Anm.3.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Titel
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Untertitel
- (1364–1555)
- Autor
- Markus Gneiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Abmessungen
- 17.3 x 24.5 cm
- Seiten
- 674
- Schlagwörter
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen