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Nr.194–196 343
196.
Der Rat [der Stadt Wien] erteilt a) den Melbern, b) zusammen mit dem Bürgermeister den
BäckernaufderenBitte und c)denLadnern eineOrdnung.
1442März22.
HWOBfol.84v–85r.
Druck: Schalk, Quellenbeiträge 468f. – Teildruck: Ressel, Bäckergenossenschaft LXIVf. – Li-
teratur:Uhlirz,Gewerbe693.
Dermelblerordnunga
[a] Anno Domini MoCCCCXLIIdo an phintztag vor dem heiligen Palmtag ist auf der
pekchen clag, so si wider die melbler in den rat prachten, und auf derselben melbler
widerredvondemrat verlassenundgesprochen:
[1.] daz die melbler kain mel auf wègen noch in sekchen, daz die gesst herpringent,
nicht mer furkauffen sullen, daz si daz wider verkauffen wellen, wan daraus tewrung get.
Aber was mel die gest herpringent, daz sullent si auf die melgrub1 fùrn und daselbs ver-
kauffennachgelegenhaitdes traidkaufs.
[2.] Essullenauchdiemelbler irmel,wassides schratenlassent,auchaufdiemelgrub
fùrnund inschùtenundnachdemtraidkauf verkauffen, alsdanndie zechmaisterdensel-
benkauff alzeit setzentundalsdas auch in irerordnungund indemstatpuchgeschriben
stet.
[b] Und wan aber die pekchen albeg begert habent, daz man in daz gross prat auch
vergunnen solt ze pachen alswol als den gesten, so mochten si vilb dester ein pessers und
gleicher phenbert pachen, und in ging auch auf das gross prot zu pachen nicht so vil mù
und arbait als auf daz klain prot. Und derwarten daz mèniklichen armen und reichen
dester ein gleicher protkauff moht widergen, des die pekchen auch vermohten und ein
narungdavonhietenundsovil claguber sinichterschinen,alsuntzherbeschehen ist,ha-
bentmeinherrenderburgermaisterundder ratditzmalsaufwiderruffenundvongnaden
denpekchennachgebenunderlaubt:
[1.] dazsinùfurbaserauchallerlaygrossprat,dartzuzwailing,pfenbertundhelbbert,
semleins malgut, pollen und oblas nach dem rechten traidkauff und deichung pachen
und in irn heùsern, auf den prottischen am Hohen Markht2, am Graben3 und am Hof4
vail haben sullenundmùgen trewlichundungeverlich.
[2.] Es sullenauchallpekchenaufyedsprat, so si aufdenkaufpachen,mit stùphlein
betzaihen, wie tewr oder umb wie vil pfennig er das auf den kauf hab gepachen, so vil
stùphel sol er auch auf das prot machen, damit ein yeder darauf gesehen mùg, wie tewr
er daz prot geben welle; und welher pekch begriffen wirdt, der solh prot nicht gùt noch
nach dem rechten traidkauff pachen wurde, den sol man darumb straffen nach der stat
hantfest lauttund sag.
[3.] Doch alle andere ordnung, so von den pekhen und melblern in dem statpuch
geschriben stent, sullendennochpey irnkreftenbeleiben.
196 aÜberschrift rubriziert. b Danach gestrichen: und.
196 1 ZurMehlgrube sieheobenNr.44Anm.3.
2 ZumHohenMarkt sieheobenNr.55Anm.2.
3 ZumGraben sieheobenNr.173Anm.1.
4 ZumPlatzAmHof sieheobenNr.33Anm.1.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Titel
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Untertitel
- (1364–1555)
- Autor
- Markus Gneiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Abmessungen
- 17.3 x 24.5 cm
- Seiten
- 674
- Schlagwörter
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen