Seite - 367 - in Das Wiener Handwerksordnungsbuch - (1364–1555)
Bild der Seite - 367 -
Text der Seite - 367 -
Nr.221–222 367
222.
OrdnungdesVerkaufsvonFischamjährlichvierzehnTagevorAschermittwoch stattfindenden
Fischmarkt.
[um1401]1.
HWOBfol.100v–101r.
Parallelüberlieferung:T1 fol.110r–v.
Druck: Feil, Beiträge 281 (HWOB); FRA III/10/2 Nr.645 (T1). – Literatur: Stolz, Nah-
rungs- undGenußmittelpolitik16.
Dasvischrùffena
Hie ist vermerkchtb das rùffen von den vischen, das man all jar virtzehen tag vor dem
Aschtag tùn sol:
[1.] das oberthalb des Peter Angerfelder2 haus an den Wendlkrèmen3 ain hausenwa-
gen sten sol und niderthalb des Angerfelder tor ainer und engegenuber zwen, und das all
hausenwègenundall die, diehausenvail habent, sullen steenniderthalbdesAngeruelder
hausgegender strasshinabzupaider seit.
[2.] Es sullenauchall purgermit irn schubvischenodermit anderngesaltzenvischen
sten oberthalb des Peter Angerfelder haus gegeneinander uber hintzt hinauf an das nider
turlein, das aus dem Vischmarcht4 get, und oberthalb desselben turlein hinauf umb den
Vischmarkchtgegeneinanderuber sullendiegest stenmit irnschubvischenodergesaltzen
vischen.
[3.] Und welher gast ain(en) wagen oder ain schaf mit schubvischen oder mit gesal-
tzen vischen entgentzet, der sol das fur sich von hant verkauffen und sol weder burgern
nochgestendarausnichtgeben,dieeswiderverkauffenc wellent,undsolauchkainandre
gesellschaft zu im nicht nemen denn damit er es engentzt hat, und sol auch kain purger
kainerlay vischmit ainemgastnichthaben.
[4.] Und welher Vnger hausen, schubvisch oder gesaltzen visch vail hat und nicht
dewtsch kan, der sol ainen tulmètschen zu im nemen, der im helf hintzegeben an gever
undder esmit imnichthab.
[5.] Man sol auch all hering gesaltzen oder gewèssert nindert alswo vail haben denn
underdennidernfleischpekchen [!] andemLiechtensteg5 undveigenundmanndelund
reisenyndert anderswodennobernpenkchendaselb.
[6.] All durrvisch sullen nindert verkauft werden, wenn sy an den markcht koment,
dennandenWentkrèmenunddaengebenuber.
222 aÜberschrift rubriziert. Am linken oberen Rand: Das vischrùffen. b -m- korr. aus -k-. c T1:
widerchawffen.
222 1 DieOrdnung ist zudiesemJahr inT1 eingetragen,kannaber auchälter sein.
2 PeterAngerfelder, gest. 1407, ist seit1380urkundlich inWiennachweisbar,war1400/01Hansgraf
und1402/03–1406/07Stadtrichter, vgl. S
,Ratsbürger199f.; P
,Ratsbürger164Nr.6.
3 Oberer Teil des Hohen Marktes in Richtung Krebsgasse; bereits 1360 lassen sich an dieser Stelle
Händler (in diesem Fall Gewandkrämer) nachweisen, vgl. dazu Karte oben S.145; C
, Lexikon Wien 5
613.
4 ZumFischmarkt sieheobenNr.221Anm.2.
5 UrsprünglicherNamederheutigenKramergasse (WienI,ParallelgassezurRotenturmstraße), indie-
ser Gegend befanden sich die sogenannten Fleischbänke, Stände von Fleischverkäufern, vgl. C
, Lexikon
Wien451.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Titel
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Untertitel
- (1364–1555)
- Autor
- Markus Gneiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Abmessungen
- 17.3 x 24.5 cm
- Seiten
- 674
- Schlagwörter
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen