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438 VI.2.Edition
287.
Der Bürgermeister, der Richter, der Rat, die Genannten und die Gemein [der Stadt Wien]
erteilendenFleischhauern eineOrdnung.
1459August 20.
HWOBfol.155r–v.
Literatur:Uhlirz,Gewerbe698;Stolz,Nahrungs- undGenußmittelpolitik13.
Anno Domini etc. quinquagesimo nono an montag vor sand Bartholomestag. Durch ge-
mainsnutzwillen reicherundarmer,nach innhalt fùrstlicherbrief,damitdiegemain stat
genèdiclich furgesehen und gefreit ist, ist von dem burgermaister, richtter, rat, genanten
und gemain furgenomen, daz nu hinfur die fleischaker hie zu Wienn am Liechtensteg1
und die gewfleischhakcher am Graben2 das fleisch verkauffen sullen mit der wag, als
rindreins, sweineins, kelbreins und kastrawneins fleisch, in der maynung, als hernach ge-
schriben stet:
[1.] Von ersten sind geordent die erbern Heinreichen Smawss und Oswalten Sweyg-
ker3, die auf solh sach sehen und allen fleis tun sullen, damit dem fleischkauf nach der
wagtreulichenwerdnachgegangen;unddieselbenzwensullenhabenirnsoltvonder stat,
damitdie sachdester aufrichtiklicherwerdvolbracht.
[2.] Itemdieselbenzwensullenall freitag seinamviechmarktundsichdaselbsaigent-
lich erkunden des kaufs alles viechs alswol von den hieigen als den fròmbden, desgleichs
so jarmarkt sind indemsumer,daz sydanndaselbs irkuntschaffthabensullendurchsich
selbsoderaberdurchandergewiss lewt,wasdiepestenochsen,diemitternunddiegerin-
gistengelten.Undwannsydannsolhkaùffwissenundaigentlicherynndertwerden,dann
so sullent sy den kauf setzen nach rats rat und nach gelegenhait des kaufs, des viechs, der
zeit und auch der gùt des fleisch, wie ain yeder fleischhakcher ain phunt fleisch sull und
mùggeben,dadurchderfleischhakcher an schadenundmitgleichembeschaidemgewin,
der redlichundzimlich ist,bestenundseinauskòmengehabenmùg.Undobsyzusolher
satzungain(en)fleischhakcherzuinnemenwellen,derdenkaufmitsambt intreulichund
an all arglist setzt, daz mùgen sy tun. Sy sullen auch den kauf virstund im jar setzen, von
OsternuntzaufPhingstena, vonPhingstenuntzauf sandMichelstag [29.September], von
sandMichelstag aufWeinachtenundvonWeinachtenaufVaschangb.
[3.] Item es sullen auch all fleischhakcher ir stète wag und gewicht haben in den
penkchen und pey dem stokch und dasselb ir gewicht lassen zimenten, dadurch die lewt
armerund reichernichtbetrogenwerden.
[4.] Es sullen auch die zwen, die dartzu gesatzt sein, auch ir wag und gewicht haben
und alle wochen ainsten mit den fleischhakchern abteihen, ob sy ir rechts gewicht haben
oder nicht. Sy mugen auch das fleisch, daz von in von den penkchen tragen wirdet, in
sunderhait abwegen und wo sy dann ungerechte wag finden, so sol denn derselb oder
dieselben fleischhakcher der stat zu peen vervallen sein ain halb phunt phennig, als offt
287 a-h-korr.aus -a-. b DanebenvonandererHand: oder, alsoftdesnotwirdt,hòhenodernidernnachdem
kauffdes viechs.
287 1 ZumLichtensteg sieheobenNr.173Anm.2.
2 ZumGraben sieheobenNr.173Anm.1.
3 Heinrich Smawss und Oswald Sweygker waren im Jahre 1459 Genannte, vgl. dazu W
, Ge-
nanntenliste20.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Titel
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Untertitel
- (1364–1555)
- Autor
- Markus Gneiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Abmessungen
- 17.3 x 24.5 cm
- Seiten
- 674
- Schlagwörter
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen