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Nr.297–298 455
teuberainprachtund inainordnungaufgesetzt, dabeyeshinfùrbeleiben sol, als hernach
geschriben stet:
[1.] Von erst sol sich nyemand unnder dem hanndtwerch der tuchpraitter und
wolweberb hie fùran zu maister setzen, er pring dann ee urkund oder kuntschafft, von
wann er komen und wie er mit gepurd herkomenc ist, oder er beweis es hie vor dem rat
mit erbern lewten, und das er sich daselbs frùmklich und erberlich enthalten und seine
lerjar seinem lermaister ganntz und erberlich ausgedint hab, und sol auch ain elich weib
haben,unddiemaister,diedartzugesatzt sind, sullenain(en)d sòlhen,dermaisterwerden
wil, versuchen, ob er maister mùg gesein oder nicht. Ist er dann fùglich dartzù, so sol er
vordemratgehorsamundseingerechtikhait thùnundburgerrechtgewynnenmit ainem
halben phuntt phennig, in ir zech ain phuntt phennig und dem hannsgrafen sechtzig
phennig.
[2.] Item sy sullen auch nù fùran ain zech haben und das hanndtwerch miteinander
arbaiten,alsodasainyeder tuchpraitteroderwolbewerseinetùchselbswurchenmagoder
lasse wurchen und beraiten, wie im das am pessten fùgt, doch das ain yeder maister nur
daswolleinundnicht leyneins arbaiten sol oderberaitten lassen inmaynung, als vorstet.
[3.] Item ain yeder tuchpraiter sol geben ainem wolbewer von ain(em) wirffing zef
wurhen fùnfundachtzig phennig und so vil davon zu beraitten; und ain yedes vierschiffts
tuch, das sol an den vèden haben achtzehen zal, und ain zwischiffigs sechtzehen zal und
ain yeder tuchpraiter, der ain sòlhs tuch wùrchen oder beraiten lèsst, der sol dem wolwe-
berdavonzuwurchengeben sechtzigphennigund sovil zuberaitten.
[4.] Item ain yedes drischiffigsg tuch sol haben an den veden fùnfftzehen zal und
davon ze wurchen geben funfftzig phennig und so vil zu beraitten. Sy mugen auch lo-
dentuch machen oder machen lassen zu dreytzehen zallen in maynung, wie vorstet, und
davonzuwùrchengebenvirtzigphennigund sovil zuberaitten.
[5.] Item von ainem yedem bemelten wiklin vierdhalben phenning zu slahen, von
ainemlembreinwikhleindreyphennig zu slahen.
[6.] Item ainer yeden spynnerinn von ainem lembrein wigklein ze spynnen zehen
phennig, vonain(em)drischiffigenachtphennig.
[7.] Item es sùllen auch die egenanten maister gemainklich unnder in erwellen und
setzen zwen beschawmaister, die in von dem rat sùllen bestètt werden, und dieselben
zwen beschawmaister sullen alle tucher, die hie gemacht werden, als vorstet, beschawn,
ob die gerecht sind [165v] und die recht lenng und prait haben oder nicht. Und ob sy
gerecht sein, sùllen sy die mit dem eysen pleyen, als von allter herkomen ist. Und was sy
sòlher tùcher, die hie gemacht sind oder herpracht wurden, funden, die nicht gùt noch
gerecht wèrden, so sùllen sy die nemen und dem burgermaister und rat anttwurtten zu
der stat nutz und sol dem hannsgraven davon gevallen lassen sechtzigk phennig, als von
alterherkòmen ist;dennochsolmandie,beydemsolh tuchergefundenwurden,pùessen
nachdes rats erfindung.SymùgenauchanallenmèrkhtenhiezuWiennh inder stat tùch
vail haben und die ganntze oder zersnyttne nach der ellen verkauffen an den ennden, als
diebenantenburgermaisterund ratdas austzaigen.
b -b-korr.aus -g-. c Danachgestrichen:e-. d Danachirrignochmals:ainen. e -skorr.aus -sn. f z-korr.
g d- korr. aus tuch. h Danach gestrichen: hie zuWienn.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Titel
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Untertitel
- (1364–1555)
- Autor
- Markus Gneiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Abmessungen
- 17.3 x 24.5 cm
- Seiten
- 674
- Schlagwörter
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen