Seite - 475 - in Das Wiener Handwerksordnungsbuch - (1364–1555)
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Nr.311–312 475
[2.] Item es sol kain maister [179r] dem anndern seinen gedingtn knecht vorhalten,
nùr er hab sich dann vor mit im verrait. Es sol auch kain maister alswo nyndert knecht
setzn dann in der gewondlichn herberg, die dann dieselb zeit bestàt und furgenomen ist
vonmaisternundgeselln.
[3.] Itemwelhemschuechknechtvoneinemmaisteroderseinempotnamerstenzuge-
sprochenwirdet, demsolderselbknecht arbaittn acht tag, tèt erdesnicht, so sol er inner
ain(em)gantzmjarwedervonmaisternnochgesellengefùrdertwerdn. Istdann,dasainer
demanndernnachdenachttagnlenngerfùgte, sosoldanndermaisterdenknechtdingen
auf solh frist, sovorgemeldet ist,undsol auch, alsoft ainemknecht zugesprochenwirdet,
der mueter in der herberg ir rechtlpfennig gefallen. Welher schuechknecht aber arbait-
tèt ainem holtzschuester, hofschuester oder annder yemands, der wider des hanndtwerch
ordnungwàr,der sol auchnicht gefùrdertwerden.
[4.] Item daz auch das trinkhgelt gehaltn werd, als von alter herkòmen ist, und das
kainknechtseinesmaister lederonerlaubnùssnichtmergerùechzebrauchendannsoverr
undwas imseinmaister vergunnet.
[5.] Itemwannainmaistermit seinemknecht rayttundobdannderselbknechtnach
ausganng seiner gedingtn zeit dem maister nicht lennger dienn wolt, oder ob er dem
maister nicht lennger ze halten fùgte, so sol derselb knecht zehannt nach seiner verrait-
tung inner der nagsten stùnd sein geràt, so er bey dem maister gehabt hat, selber in die
gewòndlichherberg tragen.Undwelhermaisteroder seindinstpot iminderselbnherberg
amerstnzùesprichtumbdienstmitwissendesvateroder seines anwalds,demsolderselb
knecht on widerred dienen die obgemeltn frist. Welher knecht aber sein geràt selbs nach
der raittung in der benantn zeit in die herberg nicht trùg, der sol geben den gesellen ain
viertailwein.
[6.] Item ob ain knecht dem vater oder ainem anndern maister des hanndtwerchs
icht geltschuld oder annder ding uber seinen willen hintrùg, es wer vil oder wenig, oder
on aines maister willen unverrayt aus dem zill gieng, wie sich das begèb, dem sol das
hanndtwerch nachschreiben, das man in auf dem hanntwerch nynndert fùrder noch set-
ze, er tuedanndarumbgenùgundkomandesmaisterunddergesellenwilln.
[7.] Itemzugaber einknechtwegausdemzyll vonursachwegen,wie sichdazbegèb,
so derselb widerkèm in die gewòndlich herberg und tèt dem maister, aus des zyll er wer
weggezogen, sein kunft ze wissen und wolt im sein zyll ausdienn, ob er des begert; ob
in dann derselb maister nicht setzt oder villeicht sein dieselb zeit nicht dùrffe, so mag er
arbaitnainemannderen,wer imdannamerstenb zusprichtungeverlich,undsolvondem
anndernmaisterungehindert sein.
[8.] Item welher knecht feyrt und kain(en) maister hat, der sol zern an der bestètten
herberg. Welher knecht aber ainen maister hat und feyrt ainen werchtag in der wochen
wider seins maister willn und on redlich ursach, dem sol der maister dieselbn wochen
kain(en) longebn.
[9.] Itemwelher inderherbergeinunvernuft [!] anhebtoderbeginnet, es sey zupett,
zu tisch oder mit krieg, der geb den gesellen ain virtail wein; und welher solhs auf in
verswigundnichtmeldet, der solderselbnpeenverfallen sein.
b p- radiert.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Titel
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Untertitel
- (1364–1555)
- Autor
- Markus Gneiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Abmessungen
- 17.3 x 24.5 cm
- Seiten
- 674
- Schlagwörter
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen