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476 VI.2.Edition
[10.] Item welher dem vater am ofen, glesern, pettn oder an anndern stùkhen in
sein(en) schadntut,der sol imdarumbbenugentun.Tèterdes [179v] nit, so sol ernicht
gefùrdertwerden,unntz erdes vaterwillenbegreifft.
[11.] Item welher knecht einem maister sein hawsere smàhet, der sol furbaser alhie
vonmaisternundgesellennit gefùrdertwerdn.
[12.] Item welher gesel ains maister knecht ist oder ein unverraitten maister hat und
inner- oder ausserhalb der stat spilt, wo daz wèr, der sol als offt und er das tùt geben ain
viertail wein. Welher aber spilt und nit ainen maister hat und sitzt darnach nider und
arbait,dergebdengesellenainvirtlwein.Spilt aberaineramVischmarkht2 mit freyhaitn
oder alswoaufdeshennkherplàtzn,demsoldazhanntwerchallhie versagt sein.
[13.] Itemes solkaingesell nachpierglokhzeit zuWeichnachtn inderherberg spillen
noch kainerlay ungefùer begynnen, dadurch er dem vater oder annder yemands unrueb
und unwillen geprueft oder zuaigent. Welher solhs uberfùer, der geb den gesellen ain
viertailwein.
[14.] Item ob sich gesellen miteinander raufften oder kriegtn unbeschaidenlich in ai-
ner werchstat, welher dann unrecht oder anheber der sachen erfundn wirdt, der geb den
gesellenainviertailwein.Wàrnaberbaid tailungerecht, sowerdenauchbaid tail gepùes-
set. Wo sich gesellen miteinander zukriegen oder aufeinander zukhn, es wer zum wein
oderannderswo,do irmerdanndrey sind, es sey fechteroder schaider, so solyedergeben
ainviertailwein.
[15.] Item welher ain ùrkhn oder padgelt austrùeg, der sol den gesellen nicht gùt ge-
nueg sein, welher aber seinem geselln oder annder yemands in pad- oder alswo gelt oder
annderdingstùll,wodennderselbbegriffenwird,densolmonhalltnals ain(en) schalkh;
er solauchdemhanntwerchfùrbasernitgenùgsamsein.Es solauchinallenobgeschriben
stukhendemrichter seingerechtigkaitunvergriffen sein.
[16.] Item welher knecht hinder sand Merten3 oder alswo mit den freyen tòchtern
tanntzt oder ainer solhen frawn an der geselln ùrkhn ze trinkhen gàb, der sol als oft den
gesellnverfallen sein einviertlwein.
[17.] Item welher sich ubertrinkht, das er den wein verleuset, es geschèch bey den
gesellnoder alswo,dergebdengesellnainviertailwein;undwelher solhsvonainemsèch
unduber inverswig,der gebauchainviertailwein.
[18.] Item wann ain gesell ain viertail wein schuldig wirdet ze geben, das sullen die
zwengeselln,diedenndieselb zeitwirt sein, an inerfordern,undobdergesell dasselbnit
gebnwoltoderdasdiezeitnithiet zegeben, so sùllen sydasbey seinemmaister verbieten
oder seingeràt, obdaswèr, das erwegziehenwolt.
[19.] Item wann ain gesell ain oppher versawmbt, der sol den geselln geben in die
zechainvierdungwachs, ausgenomendie zwayoppherder jartagundzudenkertzn,wer
die versawmbt,der ist verfallenainviertailwein.
[20.] Item der geselln jartag sol aus der maister zech begangen und gehaltn werdn
des sonntags nach Gotzleichnambstag zu sand Steffan4 und sùllen die maister leihen die
kertznunddiegesellendas gelt darvonausrichten.
2 ZumFischmarkt sieheobenNr.221Anm.2.
3 ZumMartinspital undderMartinskirche sieheobenNr.299Anm.1.
4 ZurStephanskirche sieheobenNr.22Anm.2.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Titel
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Untertitel
- (1364–1555)
- Autor
- Markus Gneiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Abmessungen
- 17.3 x 24.5 cm
- Seiten
- 674
- Schlagwörter
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen