Seite - 482 - in Das Wiener Handwerksordnungsbuch - (1364–1555)
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482 VI.2.Edition
der hernach geschriben ordnung miteinannder ainig worden wèrn, und paten aintrèch-
tigclich mit diemu˚tigem vleiss die herren .. burgermaister unnd rate, das sy in dieselb
ordnung zech und bruderschaft zu halten vergùnnen und in ir statpu˚ch schreiben lassen
wolten, das also dieselben mein herrn durch irer bete willen getan haben, und lauttet
dieselbordnungalso:
[1.] Von erst das ain yeder gesell, wann der herkùmbt, in die bruderschaft ain(en)
krewtzerunddarnachalle virtzehen tagdiegesellen,wasderhie seinwerden,yeder ainen
pheninggeben sol.
[2.] Item wenn ain gesell von ainem maister kumbt, so sol man denselben maister
fragen,wieervon imabgeschidensey.Erfundesichdann,daserwiderdenselbensein(en)
maister icht verhanndlt hiete und unpillicherweise von im kòmen wère, so sol alsdann er
beydhainemanndernmaisternichtgefùrdertwerden,nu˚ralainer seydanneemit seinem
vorigenmaisternach ratdeshanndtwerchs vertragen.
[3.] Item wenn ain gesell herkùmbt, so sol man im dise ordnung zech und bruder-
schaft fùrhaltenundertzelen.Welheraberdieverachtenundalsonithaltenwolte,der sol
weder vonmaisternnochgesellennit gefùrdertwerden.
[4.] Item wenn ain gesell herkùmbt und das man demselben nach hanndtwerchs ge-
wonhait schennkht, so sol kain gesell dhain weer mit im zu derselben schennkh tragen.
Welher aber dawider thu˚t, der sol in die egemelt ir bru˚derschafft ain phund wachs zu
gebenvervallen sein.
[5.] Item welher gesell den anndern in ernnst schelten, lug straffen oder sunst un-
lewnten wurde, der ist auch in dieselb bruderschaft zu peen vervallen ain halb phund
wachs.
[6.] Itemes sol ainyedergesell alle virtzehen tagamsuntagumbzwelfenachderpre-
dig in des vater haws kòmen und da sein(en) phening in die pùchsen legen. Welher aber
desnit tète, der ist auch in ir zechainhalbphundwachs [185v] vervallen zugeben.
[7.] Item wenn ain gesell wider das hanndtwerch oder ir ordnung thut, was im dann
das hanndtwerch zu straff auflegt, das sol halbs gevallen in der maister und halbs in der
gesellenpùchssen.
[8.] Item wenn ain gesell krannkh wurd und nit gelt hiet, so sol man demselben aus
der bruderschaft leihen ain halb phund phening. So im dann Got wider aufhilfft, sol er
das der bruderschaft auf das nagst und peldist, so er es gehaben mag, widerumb raichen
undbezallen.
[9.] Item wenn man ainem gesellen schennkht und das dieweil ain annder gesell in
seinenoder seinsmaistersgeschèfftenauszuge,derselbsolhalbeùrtten,woeraberhiewèr
undverachtlichdarzunit komenwolte, so sol er alsdannganntzeùrttengeben.
[10.] Itemessolkaingesellbeyder schennkhspilenbeyainerpeenainshalbenphund
wachs.
[11.] Itemwennmanainùrttenabnymbt, so sol ainyedergesell zwischenderdritten
undvirdtenstunddaseinunndseinùrttenlegenbeyainerpeenainsvirdungwachs.Wère
er abermit erlaubnissdesurttenmaister aus, so sol ernichts vervallen sein.
[12.] Item wenn man ain(en) gesellen nach hanndtwerchs gewonhait in ains mais-
ters haws haimfùrt und ainer mit worten oder werchen unzùchtig wère, der sol alsdann
darumbgestrafftb werdennachdergesellen erkanntnùss.
b -strafftkorr.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Titel
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Untertitel
- (1364–1555)
- Autor
- Markus Gneiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Abmessungen
- 17.3 x 24.5 cm
- Seiten
- 674
- Schlagwörter
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen