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484 VI.2.Edition
[4.] Item was under maistern und gesellen gestrafft wirdet und aus solhen straffen
kumbt, sol alles auch in gemaine bruederschafft zu lob und ere dem almechtigen Got
und seiner auserwelten lieben mueter, der junckhfrawen Marien, gevallen und gegeben
werden.
[5.] Item das auch ain yeder gesell, wann der herkumbt, in die bruederschaft ain(en)
kreùtzer unnd darnach alle virzehen tag die gesellen, was der hie sein werden, yeder
ain(en)pfenniggeben sol.
[6.] Item wenn ain gesell von ainem maister kumbt, so sol man denselben maister
fragen,wieervon imabgeschidensey.Erfundesichdann,daserwiderdenselbensein(en)
maister icht verhanndelt hiete und unpillicherweyse von im kòmen [186v] wère, so sol
alsdann er bey dhainem anndern maister nit gefurdert werden, nur allain er sey dann ee
mit seinemvorigenmaisternach ratdeshanntwerchs vertragen.
[7.] Item wann ain gesell herkumbt, so sol man im dise ordnung zech und
bruderschafftc fùrhalten und erzelen. Welicher aber die verachten und also nit halten
wolte, der solweder vonmaisternnochgesellennit gefurdertwerden.
[8.] Item wenn ain gesell herkumbt und das man demselben nach hanntwerchs ge-
wonhait schennckht, so soldhaingeselldhainwèrmit imzuderselbend schennkhtragen.
Welicher aber dawider thut, der sol in die egemelt ir brùderschafft ain pfund wachs zu
gebenverfallen sein.
[9.] Itemwelichermaisterodergesell denanndern inernst schelten, lug straffenoder
sunst unlewnten wurde, der ist auch in dieselb bruederschaft zu peen vervallen ain halb
pfundwachs.
[10.] Item es sol ain yeder gesell alle virzehenn tag am suntag umb zwelfe nach der
predig in des vater haws komen und da sein(en) pfening in die pùchsen legen. Welicher
aberdesnit tète, der ist auch indie zechainhalbphundwachsvervallen zugeben.
[11.] Itemwennaingesell krannkhwurdundnit gelthiet, so solmandemselbenaus
der bruederschafft leihen ain halb pfund pfennig. So im dann Got wider aufhilfft, sol er
dasderbruederschafft aufdasnagstundpeldist, soer esgehabenmag,widerumbraichen
undbezalen.
[12.] Item wenn man ainem gesellen schennkht und das dieweil ain annder gesell in
seinenoder seinsmaisters geschèfftenauszuge,derselb solhalbeùrten,woer aberhiewer
undverachtlichdarzunit kòmenwolte, so sol er alsdannganntzeùrtengeben.
[13.] Itemes solkaingesellbeyder schennkhspilenbeyainerpeenainshalbenpfund
wachs.
[14.] Item wenn man ain ùrten abnymbt, so sol ain yeder gesell zwischen der dritten
und virden stund da sein und sein urten legen bey ainer peen ains virdung wachs. Were
er abermit erlawbnussdesùrtenmaister aus, so sol ernichts vervallen sein.
[15.] Item wenn man ain(en) gesellen nach hanndtwerchs gewonhait in ains mais-
ters haws haimfùrt und ainer mit worten oder werchen unzùchtig wère, der sol alsdann
darumbgestrafftwerdennachdergesellen erkanntnuss.
[16.] Itemdesgleichensol aingesell,der sich inainsvaterhawsgegenvaterodermue-
teroder irn inwonernunzùchtigclichenhaltenwurde,auchnachdergesellenerkanntnuss
werdengestrafft.
c -schafftaufRasur. d -elben aufRasur.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Titel
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Untertitel
- (1364–1555)
- Autor
- Markus Gneiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Abmessungen
- 17.3 x 24.5 cm
- Seiten
- 674
- Schlagwörter
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen