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498 VI.2.Edition
331.
Der Bürgermeister, der Richter und der Rat der Stadt Wien erteilen den Fischern eine Ord-
nung.
[1508–1517]1.
HWOBfol.196r–197r.
Teildruck: Feil, Beiträge 288. – Literatur: Zatschek, Handwerk, Stadt und Landesfürst 157;
Opll,Zeitverständnis 44Anm.39.
Dervischerordnung
Vermerkht die ordnung der vischer und vischkewffl, so burgermaister, richter und rate
geordent, gemacht und in ir statordnungbuch einschreybenn lassen, dardurch der gros
furkauff gewennt und menigclich desster pas mit vischen versehen und gemainer nutz
gefurdert, damit der Romischen kayserlichen mayestat als herren unnd lanndesfursten
gutemfurnemenundallermenigclichzugutemgelebtunndwiehernachvolgtgenutzlich
gehalltenwerde.
[1.] Anfennclich ist geordentunndgesetzt,das ainyeglichervischerodervischkewffl,
so hie ist oder alheer kùmbt, kainen verboten oder untzalpern visch kauffen oder ver-
kauffen, wie dieselben an der tafl antzaigt sein, bey vermeidung und nembung der visch,
dartzu zewanndl vierphundphennig.
[2.] ItemsovonHùngern,BeheimoderMerhernverbotenvischprutheerkomen,die
sòllenallermenigclichzukauffenerlawbt, sonnderdenvischernundvischkeuffelen, so in
der zech sein, verboten sein, bey vermeidung und nembung der visch, dartzu ze wanndl
vierphundphennig.
[3.] Itemsosollenainyeglicherhieigervischerodervischkewfflaingeswornenburger
und alhie bey in in der zech sein unnd ain eelich weib haben, auch alles das tun, das ir
ordnung innhelt.
[4.] Item welicher ain vischer, vischkewffl oder bey in in der zech ist, so soll er und
seingesinddhainandernhanndl treibendannallaindenvischkauff.
[5.] ItemsosollensyauchmitsambtdenStadlaweren2undErdtburgern3undalledie,
so die visch hie vahen und burgerrecht haben, ir visch auf dem gemaurten Vischmarkt4
durch sy oder ainen geswornen oder gedingten knecht verkauffen und sonst nicht, bey
nembungder visch,dartzu zewanndl vierphundphennig.
[6.] Itemes solldhainerhieoderannderswodhainvischkauff treiben,er seydannbey
in inder zech,habburgerrechtundaineelichweib,wieobvermelt.
[7.] Item so sollen auch auff dem rechten gemaurten Vischprunmarkt dhain annder
vischdannwievonallterheerkomen ist,nemblichendiegutenvisch, alsThunaw,March
331 1 Annahme des Kaisertitels durch Maximilian I. im Jahr 1508, zur Datierung siehe weiters Anm.a.
Die Ordnung lässt sich mit Sicherheit in das 16.Jh. einordnen, wodurch der erwähnte Kaiser jedenfalls nicht
Friedrich III. seinkann.
2 Stadlau, ehemaliger Vorort von Wien, heute Teil von Wien XXII. Durch das Urfahr von Erdberg
nach Stadlau gewann der Ort bereits im 13.Jh. an Bedeutung, welche er aber im 15.Jh. durch diverse Zerstö-
rungen in Folge von Donauüberschwemmungen und aufgrund des Baus der Donaubrücke (1439) sukzessive
verlor, vgl. dazuC
, LexikonWien5281f.
3 ZuErdberg sieheobenNr.289Anm.5.
4 ZumFischmarkt sieheobenNr.221Anm.2.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Titel
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Untertitel
- (1364–1555)
- Autor
- Markus Gneiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Abmessungen
- 17.3 x 24.5 cm
- Seiten
- 674
- Schlagwörter
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen