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Handwörterbuch der Philosophie
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Dialektik. Definition, der Analyse und Synthese als Fortgang von niederen zu höheren, allgemeineren Begriffen, als Erkenntnis des Seienden, Unwandelbaren, Zeitlosen, des Wesens, der Urbilder der Dinge, der „Ideen" (s. d.); das Aufsteigen zum Unbedingten, Allgemeinen, aus dem dann das Besondere zu begreifen ist, das „Zusammenschauen" des Vielen zur Einheit (Phaedrus 265; Philebus, f.; 543 B, 511 B.). ARISTOTELES hingegen versteht unter D. das Ver- fahren mit Wahrscheinlichkeitsbeweisen prior. I 1, 24 a 22; Top. I 2, 101 b 2 f.), das Beweisen aus überlieferten Sätzen (ig kvdogcov); „dialektisch" bedeutet bei ihm manchmal auch „sophistisch". Die Stoiker bezeichnen als D. teils die Grammatik und Rhetorik, teils die Logik (s. d.) und Erkenntnislehre, die Wissenschaft vom Wahren und Falschen (Diog. Laert. VII, 41 ff.; vgl. CICERO, Disput. Tusculan. V, 72; Top. 2, 6; Epist. I, 1; 89, 9). Im Mittelalter versteht man unter D. meist dasselbe („veritatis falsitatis S. 435), zum Teil die Logik (s. d.) überhaupt oder auch einen Teil der Topik (s. d.), die Lehre von den Wahrscheinlichkeitssätzen. PETRUS RAMUS versteht unter D. die Kunst des Disputierens und der Erörterung disserendi", Dialect. institu- tiones, 1543, S. 1 ff.; vgl. MELANCHTHON, Dialekt. I, 1: „ars et via docendi"). KANT geht von der D. als „Logik des Scheins", als sophistischem Miß- brauch der Logik aus und bietet mit „transzendentalen Dialektik" eine „Kritik des dialektischen Scheins", eine Kritik des „transzendentalen Scheins". Es gibt nämlich „eine natürliche und unvermeidliche Dialektik der reinen Vernunft", vermöge deren häufig Begriffe und Urteile, die nur für mögliche Erfahrung und Gegenstände einer solchen gelten, d. h. „imma- nenten" Gebrauch haben sollten, über alle Erfahrung hinaus („transzen- dent") angewandt werden, wodurch es zu Widersprüchen kommt, die nur durch die Unterscheidung von Erscheinung und „Ding an sich" und durch die Fest- legung der Grenzen des Erkennens gelöst werden können. Die D. der Vernunft besteht darin, daß „die subjektive Notwendigkeit einer Verknüpfung unserer Begriffe zugunsten des Verstandes für eine objektive Notwendigkeit, die Be- stimmung der Dinge an sich selbst, gehalten wird" (Krit. d. rein. Vern., S. 263 f.), daß die Vernunft dasjenige aufs Transzendente, aufs Ding an sich bezieht, was nur zur Leitung des Denkens selbst im Fortgange desselben und in bezug auf mögliche Erfahrung dient (Prolegomena, § 40), kurz, daß die „Ideen" (s. d.) der Vernunft statt bloß „regulativ" d.) konstitutiv gebraucht werden. Es gibt drei Arten von Vernunftschlüssen", von „Sophistikationen" der Vernunft: die transzendentalen Paralogismen (s. d.), die Antinomien (s. d.), das Ideal (s. d.) der reinen Vernunft. Es gibt auch eine D. der praktischen Vernunft der Urteilskraft. Nachdem schon FICHTES „antithetisches" und „synthetisches" Verfahren das Übereinstimmende im Entgegengesetzten nach dem Schema: Thesis, Anti- thesis, Synthesis aufgesucht hat (Gr. d. ges. Wissenschaftslehre, S. 31; vgl. Ich) macht HEGEL die D. zur Universalmethode seiner Philosophie und zu- gleich zur geistigen Entwicklung, in welcher das Seiende selbst sich logisch entfaltet (Ansätze dazu bei U. a.; s. Gegensatz, Triaden). Die D. ist die wissenschaftliche Anwendung der in der Natur des Denkens hegenden Gesetzmäßigkeit, ferner diese selbst und, da Sein und Denken identisch sind, die Gesetzmäßigkeit des Seienden, welches an sich „Idee" Ver- nunft) ist. Der „Widerspruch" (s. d.) ist die Triebkraft der objektiv-subjektiven
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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