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Handwörterbuch der Philosophie
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Dialektik. Denkbewegung, die aus sich selbst das System der erzeugt, als „Totalitätsdenken" (vgl. M. ADLER, Marx als Denker, 1908). Die D. besteht darin, daß das Denken „sich in Widersprüche verliert, somit sich selbst nicht erreicht, vielmehr in seinem Gegenteil befangen bleibt". Notwendig erfolgt daher das „eigene Sichaufheben" der abstrakt-einseitigen, endlichen Bestimmun- gen und ihr Übergehen in entgegengesetzte, indem durch „Negation der Nega- tion" der Widerspruch in einem höheren Begriff (der Synthese von Thesis und Antithesis) „aufgehoben" wird (z. B. Sein — Nichts — Werden). So entwickeln sich die Begriffe in selbständiger, innerer Gesetzmäßigkeit, ohne jede Willkür des Denkenden; die D. ist das „Waltenlassen der Sache selbst oder der all- gemeinen Vernunft in uns, die mit dem Wesen der Dinge identisch ist". Das „Umschlagen" der Begriffe in ihr Gegenteil und die Synthese der Gegensätze in einem höheren, konkreteren Begriff ist ein objektiver Prozeß, dem das sub- jektive Denken gleichsam nur zusieht und durch den die Totalität der Denk- bestimmungen, wie sie in der „Idee" (s. d.) an sich, potentiell angelegt sind, zur Entfaltung gelangt (Enzyklop., § 11 ff., 80 ff., 577). — Von den Hegelianern" gibt manche, welche die dialektische Methode nicht annehmen (so z. B. CROCE; vgl. WINDELBAND, Die Erneuerung des Hegelianismus, 1910). — Die Ökonomische Geschichtsauffassung von K. MARX ist von der HEGEL- schen Dialektik beeinflußt (vgl. Soziologie). Vgl. Zur D. des Be- wußtseins nach Hegel, 1908. BAHNSEN lehrt eine „Realdialektik" als Resultat des in verschiedenen auseinanderstrebenden, selbstentzweiten Willens, als unaufhebbare Das Seiende ist antilogisch, voll Widerspruch und Gegen- satz zwischen Wollen und Nichtwollen (Der Widersprach im Wissen und Wesen der 1880 f., I, 2, 37 ff., 151 ff.; vgl. Wille). Nach DÜHRING gibt es eine „natürliche Dialektik" (Natürl. D., 1865); es besteht eine „innere Logik" der Dinge und ein der Kräfte". Nach SCHLEIERMACHER ist die Philosophie „Dialektik" als Kunstlehre des Denkens, Organon des Wissens, Kunst des Begründens und des „Symphilo- sophierens", da alles Wissen (s. d.) ein gemeinschaftliches Denken, eine Über- einstimmung der Denkenden untereinander ist (Dialektik, 1839, S. 8 22, 66, 309 ff.). Unter „dialektischen Methoden" versteht WUNDT jene philosophischen Methoden, „bei denen aus gegebenen Begriffen vermittelst einer rein logischen Entwicklung andere Begriffe abgeleitet werden" (Philos. Studien 68). — Vgl. PEIPERS, Die positive Dialektik, 1845; G. ENGEL, Die dialektische Methode und die mathematische Naturanschauung, 1860; HAMERLING, Atomistik des Willens, 1891, I, 73 ff.; H. GOMPERZ, lehre, 1905-1908, I, 216; Das soziale u. sittliche Leben, S. ff. („Dialektik des sozialen Wachstums"); E. FRANK, Das Prinzip der dialektischen Synthesis i. d. KANTschen Philos., 1911; DIETZGEN, Das Wesen der menschl. Kopfarbeit u. a. (Das menschliche Denken ist ein Teil des dialektisch sich ent- faltenden Weltprozesses); HÖFFDING, Der menschliche Gedanke, 1911 (Die Be- griffe gehen schon aus einem bestimmten, gegebenen Zusammenhange hervor, entstehen aus der Wechselwirkung zwischen den Formen und dem Inhalt des Denkens, nicht durch reine Selbstentwicklung des Denkens). Vgl. Logik, Negation, Widerspruch, Verstand, Hegelianismus, Gegensatz, Korrelat.
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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