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hauptsächlich nur das den Ausdruck „Ding" („ens") und den Begriff
„Einzelding" Betreffende behandelt.
ARISTOTELES bestimmt das Einzelding als Ganzes (ovvoXov) aus Form
(s. d.) und Stoff. Die Scholastiker verstehen unter Ding („ens") jeden
bloß vorgestellten, gedachten („ens rationis") oder auch realen Gegenstand
(„ens reale"); letzterer existiert nicht nur „obiective" (s. d.), d. h. in unserer
Vorstellung, sondern unabhängig davon, außerhalb des Geistes („extra
vgl. THOMAS, 1 sentent. 25, 1, 4c; vgl. Sein, Wesen). Nach LEIBNIZ
ist ein Ding alles als möglich Denkbare (Opera, ed. ERDMANN, S. 442). So
auch nach CHR. WOLFF: „Ding" ist „alles, was sein kann, es mag wirklich
sein oder nicht" von Gott . . . I, § 16; vgl. Ontolog.
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Während LEIBNIZ die Dinge individualistisch als „Monaden" (s. auf-
faßt, sind sie nach SPINOZA nur Modifikationen der Attribute der göttlichen
(s. also nichts Absolutes, Selbständiges, nur flüchtige „Affek-
tionen" des einen Wesens („res partieulares nihil sunt nisi Dei attributorum
sive quibus Dei attributa certo et determinato modo expri-
muntur"; Eth. I, prop. XXXV, corollar.).
Ein D. ist nach HERBART eine „Komplexion von Merkmalen, noch ohne
Frage nach ihrer Einheit, die dabei blindlings vorausgesetzt wird". Die Vor-
stellung des Einzeldings entsteht durch „Zerreißung" der Umgebung. H. be-
stimmt dann das D. als „Substanz, welcher die Merkmale und
findet in diesem „Inhärenzverhältnis" (s. in dem Verhältnis der vielen
Eigenschaften zu dem einen Ding einen Widerspruch, den die der
Beziehungen" durch Zerlegung des Dinges in eine Vielheit von „Realen"
d.) auflöst (Lehrb. zur Psychol. S. 86 ff.; Allgem. Metaphys. II). — Nach
LOTZE ist ein Ding, was die Form der Selbständigkeit und der Fähigkeit zum Tun
und Leiden hat; der Dinge Beständigkeit besteht in der „Folgerichtigkeit ihrer
inneren Zustände". Wir legen unsere Einheit, Ichheit, unser Fürsichsein in
die Dinge hinein I2, 146; 517, 531). Nach RIEHL legt das Ich
seine eigene Identität (s. d.) in die diese sind „konstante Gruppen von
Eigenschaften, zur Einheit des Bewußtseins gebracht", wobei die Regel der
Verknüpfung auf ein „An sich" der Dinge hinweist (Der philos. Kritizismus
II 1, 234 ff., 295) Eine „Introjektion" (s. d.) unseres Innenseins in die Dinge,
welche dadurch zu uns analogen Wesen werden, erfolgt nach BENEKE, TEICH-
MÜLLER, UEBERWEG, HORWICZ (das Ding ist ein JERUSALEM,
H. GOMPERZ u. a. Auch nach WUNDT: „Die Selbständigkeit unseres Ich
und der stetige Zusammenhang unserer Vorstellungen werfen ihren
auf die Dinge außer uns." Die Dinge der Erfahrung sind nichts absolut Be-
harrendes, sondern nur das, „was im fortwährenden Wechsel der Erscheinungen
zusammenhängt". Der Dingbegriff ist psychologisch ein Produkt der „apper-
zeptiven Synthese". Anlaß zur Bildung eines solchen Begriffes ist überall da
gegeben, „wo einerseits ein Komplex von Erscheinungen sich selbständig ab-
hebt von andern, mit denen er in Beziehung steht, und anderseits die Ver-
änderungen, welche jener Komplex darbietet, stetig auseinander
Die Sonderling des Gegebenen in Einzeldinge wird besonders durch die Be-
wegung vermittelt, indem das in der Bewegung selbständig Bleibende als ein
Ding aufgefaßt wird (Logik 1893—95, 462 ff.; s. Objekt, Substanz). Nach
SIGWART ist das D. ein „Vorgestelltes, das als eine räumlich abgegrenzte, in
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Buch Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften