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Ding an sieh.
wahrnehmen und denken (Krit. d. rein. Vern., S. ff.; Über eine
deckung . . .; Kleine Schriften zur Logik u. Metaphys. III2, 29 f.).
Gegenstand des Denkens nennt KANT das D. a. s. „Noumenon" (s. d.).
neigt manchmal dazu, das D. a. s. als bloßen „Grenzbegriff" ohne
anzusehen, ja er nennt es zuweilen eine „Fiktion" (vgl. die Stellen bei VAI-
HINGER, D. Philos. des Als ob, 1911); aber auch die Tendenz, in der praktischen
Philosophie den reinen Willen des „noumenalen" Menschen als ein „An
zu betrachten, liegt vor, obwohl KANT sonst auch das (empirische) Ich (s. d.>
für bloße „Erscheinung" erklärt (vgl. Idee, Postulat).
Daß bei KANT die Annahme eines D. a. s. zu führe, da
Existenz, Wirken, welche doch zur Beeinflussung des Subjekts durch das-
D. a. s. nötig seien, nach KANT selbst auf dieses unanwendbar seien, betonen
JACOBI (WW. II, 301 f.), AENESIDEMUS-SCHULZE (G. E. Schulze,
2. A. 1910, S. 262) u. a. BECK und MAIMON streichen das D. a. ganz und FICHTE,.
nach welchem die Dinge durch das „Ich" (s. d.) gesetzt sind, hält es für einen
„Ungedanken". Nach A. STADLER (Kants Teleologie, 1874; Die Grundzüge
reinen Erkenntnistheorie in d. Kantschen Philos., 1876), F. A. LANGE
es nur eine Idee, ein „Grenzbegriff" ohne positiven Inhalt; wir wissen nicht
einmal, ob der Gegensatz zwischen Erscheinung und Ding an sich
unserer Erfahrung eine Bedeutung hat (Geschichte d. Materialismus, II8, 49).
LIEBMANN hält das Kantsche D. a. s. für ein „Unding" (Kant u. die Epigonen,.
S. 45 2. A. 1912). Nach COHEN ist es ein bloßer Grenz- und Idealbegriff,
es weist auf die unendliche Aufgabe des methodischen Erkennens hin (Kants
Theorie d. Erfahrung, S. 252; Ethik, 25). „Die Erscheinungen sind,
und sofern es Gesetze gibt, in denen sie gewinnen; in denen die
Flucht der Erscheinungen Bestand erlangt. Das Gesetz selbst ist also der
schlichteste Ausdruck jenes Ding an sich" (Kants Begründ. d. Ethik2,
S. 27). „Das Gesetz ist die Realität." Die „Erscheinung" ist „das halbreife
Objekt, das wir nach Art der Anschauung uns gegenüberstellen" (1. c. S. 28
lehren NATORP, CASSIRER, STAUDINGER, KINKEL,
RICKERT, F. J. SCHMIDT, ß. KERN U. a.
Keinerlei „Ding an sich" gibt es nach LAAS, SCHUPPE, REHMKE, LECLAIR,
SCHUBERT-SOLDERN, CORNELIUS (Einleit. in d. Philos., 1903, 323
VERWORN, HODGSON (Philos. of Reflection, 1878, I, 167, 213 ff.),
AVENARIUS, R. WILLY, H. GOMPERZ, PETZOLDT U. a.; nach E. MACH (Analyse
d. Empfind.4, 1903, S. 10), NIETZSCHE, VAIHINGER (D. Philos. des Als Ob,
1911) u. a. ist es eine „Fiktion".
Unerkennbar ist das D. a. s. nach FRIES, der vom „An sich" der Er-
scheinungen spricht und darunter das Ewige, Unendliche versteht
Glaube u. Ahndung2, 1905), V. COUSIN, W. HAMILTON, HERBART (S.
COMTE, SPENCER, CARNERI, HELMHOLTZ, RIEHL, B. ERDMANN,
E. WENTSCHER, HÖFFDING (Der menschl. Gedanke, 1911), JODL, R.
(„Urfaktoren" als Grundlagen der „Vorkommnisse") u. a.
Geistiger Art ist das „An sich" der Dinge nach LEIBNIZ, HEGEL (S. Idee),
SCHOPENHAUER Wille), ED. V. HARTMANN (S. Unbewußt), BENEKE,
FECHNER, BERGMANN, LIPPS, PAULSEN, FOUILLEE, BERGSON (S.
Leben), J. WARD, ROYCE, L. BUSSE, EUCKEN, MÜNSTERBERG, WUNDT U. a.; nach
letzterem ist das wollende Subjekt „Ding an sich", wenn darunter der „Gegen-
stand unmittelbarer Realität" verstanden wird. Auch auf das über jede
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften