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Handwörterbuch der Philosophie
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Dogmatismus — Dominanten. 147 § „Dogmatiker" (= Metaphysiker) bei KANT (Krit. d. rein. Vern., Vorwort zur 1. A., S. 4; vgl. Diogen. Laert. IX, 74). Dogmatismus ist — im Unterschiede vom systematischen, schließend- beweisenden „dogmatischen Verfahren" — das • unkritische Vertrauen zur menschlichen Erkenntnisfähigkeit, die Aufstellung metaphysischer Lehren und Systeme ohne vorangehende Erkenntniskritik, insbesondere die Anwendung von Begriffen, die nur innerhalb möglicher Erfahrung und zur Vereinheitlichung dieser dienen, auf das jenseits aller Erfahrung und Erkenntnis Liegende. Einen dogmatischen Charakter haben zum Teil die Lehren der alten und mittelalterlichen Philosophen, die Systeme [eines DESCARTES, SPINOZA, CHR. WOLFF U. a., der (s. d.), des naturalistischen „Monismus" u. a. Dem D. steht der Skeptizismus (s. d.) und Kritizismus (s. d.) gegen- über, wie er bei LOCKE, LEIBNIZ, HUME U. a. vorbereitet ist, bei KANT eigentlichen Begründung gelangt. Unter „Dogmatism der Metaphysik" versteht er „das Vorurteil, in ihr ohne Kritik der reinen Vernunft fortzukommen" (Krit. d. rein. Vern., Vorrede zur A., S. 26), „das allgemeine Zutrauen zu ihren Prinzipien ohne vorhergehende Kritik des Vernunftvermögens selbst". Die Kritik ist nicht dem „dogmatischen Verfahren" der reinen Erkenntnis aus sicheren Prinzipien entgegengesetzt, wohl aber „dem Dogmatism, d. i. der An- maßung, mit einer reinen Erkenntnis aus Begriffen (der philosophischen), nach Prinzipien, so wie sie die Vernunft längst im Gebrauche hat, ohne Erkundigung der Art und des Rechts, wodurch sie dazu gelangt ist, allein fortzukommen". „Dogmatism ist also das dogmatische Verfahren der reinen Vernunft, ohne vorangehende Kritik ihres eigenen Vermögens" (1. c. S. 29). Eine „gründliche Metaphysik als Wissenschaft" ist ohne Kritik (s. d.) nicht möglich. — Über KANT hinausgehend nennt FICHTE jede realistische, eine Einwirkung von Dingen auf das Ich annehmende Philosophie dogmatisch (Gr. d. ges. Wissen- schaftslehre, S. 41). Nach NATORP ist für den Dogmatismus der Gegenstand der Erkenntnis „gegeben", während der Kritizismus die Aufgabe, den Gegen- stand aus seinen Komponenten methodisch aufzubauen, als eine unendliche, nie völlig abgeschlossene betrachtet (PLATOS Ideenlehre, 1903, S. 366 ff.). — Die 'Lehre, daß wir die „Dinge an sich" nicht können oder die Behaup- tung, daß sie nicht die Formen unserer Anschauung und unseres Denkens tragen, wird zuweilen als „negativer Dogmatismus" bezeichnet (so von G. E. SCHULZE). — Vgl. SCHELLING, Briefe über Dogmatismus u. Kritizismus, 1796; G. M. KLEIN, Beiträge zum Studium d. Philosophie, 1805 (D. ist „die Bestim- mung der übersinnlichen Gegenstände durch die von den sinnlichen Dingen entlehnten Merkmale"). Vgl. Kritizismus, Metaphysik, Erkenntnistheorie. Dominanten: herrschende, leitende, regulierende, gestaltende, zweckmäßig wirkende, nicht-energetische, „überenergetische" Richtkräfte nimmt REINKE an. Sie leisten keine mechanische Arbeit, sondern lenken den Energie- strom im Organismus, als „formgebende, gestaltbildende Kräfte" („Gestaltungs- dominanten"), welche den Organismus aufbauen, in welchem dann weitere Dominanten zielstrebig tätig sind, die ihn — als Ausfluß einer kosmischen Intelligenz durchgeistigen (Die als Tat, 1899, S. 273 ff., 4. A. 1905; in d. theoret. Biologie, 1901, S. 172 ff.; Phüos. d. Botanik, 1905, S. 41 ff.). Vgl. Leben, Zweck. 10*
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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