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Empirisch Empirismus. 169
F. CARSTANJEN, R. biomechanische Grundlegung d. reinen
meinen Erkenntnistheorie, 1894; Der E., Vierteljahrsschrift f.
Philos. 1898; PETZOLDT, Einf. in die Philos. d. reinen Erfahrung, 1904—06;
J. Die Philosophie des R. Avenarius, 1910. — Vgl. Erfahrung, Prinzi-
pialkoordination, Introjektion, Objekt, Ich, Psychisch, Ökonomie, Element,
Sache, Existential, Vitaldifferenz, Schwankung, Erhaltung.
Empirisch aus der Erfahrung (s. d.), auf ihr
aus ihr entspringend, stammend, abgeleitet, von ihr abstrahiert, auf sie ge-
stützt. rational, apriorisch, (s. d.). Vgl.
Apperzeption, Ich, Wissenschaft, Erfahrung, Psychologie.
Empirismus: Standpunkt der Empirie, Erfahrung
aller Erkenntnis aus (äußerer und innerer) Erfahrung, welche als die einzige
Quelle unserer Begriffe gilt. Nach dem (erkenntnistheoretischen) E. gründet
sich alle Erkenntnis, alles Wissen auf Erfahrung; alle unsere Begriffe, auch die
allgemeinsten (s. Kategorien) stammen aus ihr, sind aus ihr abstrahiert; alle
unsere Urteile, auch die Grundsätze der Erkenntnis (s. Axiom) sind durch
Erfahrung und Induktion (s. d.) gewonnen, selbst die obersten Denkgesetze
(s. d.) sind nach vielen Empiristen empirischen Ursprungs, wie überhaupt der
extreme E. nichts „Apriorisches" (s. d.), keine der Erfahrung vorangehenden,
von ihr unabhängigen Begriffe oder Urteile anerkennt. Die objektiven Tat-
sachen (s. d.) sind uns „gegeben", durch deren Einwirkung auf das Subjekt
entsteht die Erkenntnis. Doch anerkennt gegenüber dem sensualistischen (s.
der „rationale" oder „kritische" E. eine Formung und Bearbeitung des Er-
fahrungsmaterials durch das Denken und er lehnt nicht, wie der extreme „Posi-
tivismus" (s. d.) alle „Denkzutaten" ab. Der E. betont ferner oft, daß Er-
kenntnis nur so weit reicht als mögliche Erfahrung, also nicht über alle
barkeit hinaus, nicht ins „Transzendente" (s. d.). Methodologisch ist der
E. das Prinzip, alle Wissenschaft auf Erfahrungstatsachen und deren methodischer
Verarbeitung aufzubauen, ihre besonderen Daten also nicht aus bloßen Be-
griffen, aus reinem Denken zu konstruieren. Abgesehen von den rein formalen
Disziplinen (Mathematik, in allen ihren Anwendungen, Logik) und normativen
Wissenschaften (Ethik usw.) befolgt die moderne Wissenschaft dieses
ristische Prinzip in hohem Maße.
Den Gegensatz zum E. bildet der Rationalismus (s. d.), zum Teil auch der
Kritizismus (s. d.), sofern dieser Apriorismus (s. ist; in der Psychologie steht
dem E. in bezug auf die Vorstellungen von Raum und Zeit der
(s. d.) gegenüber
Empiristen sind die Kyrenaiker, Stoiker (vgl. aber Epi-
(s. Sensualismus). Im Mittelalter betonen die Erfahrung (s. d.) mehr
als die anderen Scholastiker besonders WILHELM VON OCCAM, ROGER BACON.
Empiristische Tendenzen haben L. NIZOLIUS, CAMPANELLA,
DA VINCI, FRACASTORO (vgl. CASSIRER, Das Erkenntnisproblem, 1906—07, 1,
208 ff.), PARACELSUS U. a. Den methodologischen E. begründet F. BACON
(s. Erfahrung, Induktion), während LOCKE den erkenntnistheoretischen
E. begründet (s. Erfahrung), der bei BERKELEY und noch mehr bei
z. T. einen „positivistischen" Charakter annimmt bei CONDILLAC,
HOLBACH, P. BROWNE U. a. zum Sensualismus wird. KANTS Kritizismus
(s. d.) überwindet die Einseitigkeiten des Rationalismus und
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften