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Handwörterbuch der Philosophie
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Energie. 171 wirkende Ursache ist ein kvegyovv, vgl. MICRAELIUS, Lex. philos., 1653, Sp. 380 f.); Tatkraft, Wirkungsfähigkeit; 2. physikalisch (seit besonders aber seit YOUNG, Lectures on Natural 1807, RANKINE, 1853, von dem der Ausdruck „potentielle" E. stammt): Arbeitsfähigkeit, Fähig- keit eines Körpers, mechanische Arbeit zu leisten, d. h. einen Widerstand zu überwinden. Die E., die ein bewegter Körper vermöge seiner Geschwindigkeit besitzt, ist die kinetische E. („E. der Bewegung"), welche stets eine aktuelle E. ist, während die im Körper „aufgespeichert" gedachte Arbeitsfähigkeit potentielle (virtuelle, ruhende, „E. der Lage") E. heißt. Die Formel für die „lebendige Kraft" (im Unterschiede von der „Spannkraft", etwa einer Uhrfeder, v2 gespannten Sehne) ist Bedingung des Geschehens sind Intensitätsdifferenzen von Energien. Gemäß dem Prinzip der Erhaltung der Energie kann E. weder aus nichts noch zu nichts sondern jedes Auftreten von Energie hat das Verschwinden eines bestimmten Quantums Energie zur Ursache und umgekehrt (Äquivalenzprinzip) und die Summe der und potentiellen Energie bleibt im Prozeß der Umwandlung von Energien in andere (innerhalb eines „geschlossenen Systems") unver- (Konstanzprinzip). Dabei findet freilich im Fortgange des Ge- schehens eine Entwertung und Zerstreuung von E. statt (s. Entropie). Das Prinzip der Erhaltung der E. beruht auf einem durch Erfahrung Postulat des Denkens, des Kausalprinzips (s. d.); es gilt auch für das Orga- nische und steht der Annahme einer Wechselwirkung (s. d.) zwischen Psy- chischem und Physischem sehr im Wege. Das Psychische selbst unterliegt einem Prinzip des „Wachstums geistiger Energie" (WUNDT); es ist nicht selbst eine Energie im naturwissenschaftlichen Sinne, kommt aber in Gehirn- und Nerven- energien zum objektiven Ausdruck, zur Erscheinung (vgl. Parallelismus) und hat eine gewisse rein qualitativ-intensive „Energie", Leistungsfähigkeit inner- halb des Bewußtseins (s. Arbeit). Die physische Energie ist keine Substanz, kein Ding, überhaupt nichts Absolutes, Primäres, Selbständiges, sondern ein gemeinsames Maß die Betätigung von Kräften oder aus denen die Körper (s. d.) zusammengesetzt sind. Es gibt „Energie in der Natur, sondern E. ist eine Abstraktion von den besonderen Formen der Arbeitsleistung, welche die Körper in bestimmten Zuständen im Ver- zueinander verrichten oder unter gewissen Bedingungen verrichten können. Die E. darf nicht verdinglicht werden, sie ist eine Leistung und das Maß einer solchen, ein Funktions- und Relationsbegriff (vgl. Kraft, Materie). Endlich ist Energie kein „Ding an sich", sondern wie alles Räumliche höch- stens die begrifflich gefaßte „Erscheinung" (s. d.) eines „An sich", in dem sie ihren „Grund", ihr „Innensein" hat. Den Begriff der E. im älteren Sinne hat ARISTOTELES geprägt. Nach ihm ist alles Geschehen Verwirklichung eines Potentiellen, Übergang des zuerst nur der Möglichkeit nach in die Wirklichkeit (kvegyeia) durch die Tätigkeit einer „Form" d.), die selbst Energie, Wirklichkeit und Ursache wie Ziel der Verwirklichung ist. Das Sehen z. B. ist die „Energie" des der Potenz nach sehenden Auges, die Verwirklichung dieser Potenz (Metaphys. IX, ff.; 8, 1049 b 5 ff). Im Mittelalter ist die Unterscheidung von E. (actus, operatio) und Potenz allgemein. Im Sinne von „wirksam"
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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