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176 Entschluß — Entwicklung.
mehr nutzbaren, arbeitsfähigen Energie kann auf des nur angewandt
werden, wenn die Unendlichkeit der Zeit und des Rauminhalts nicht berück-
sichtigt wird. Die Lehre von der E. vertreten W. THOMSON (Kelvin; Mathe-
matical and physical Papers, 1882 f.), HELMHOLTZ, BOLTZMANN, nach welchem
die E. ein Ausdruck dafür ist, daß die Energie in einem System immer aus
unwahrscheinlicheren in wahrscheinlichere — und das sind gerade die praktisch
nicht übergehen (Populärwiss. Schriften, 1905, S. 33
OSTWALD, CHWOLSON (Hegel, Haeckel, Kossuth, 1906), E. VON HARTMANN
u. Gegen die Anwendung des Entropiesatzes auf das sind
LIEBMANN, CASPARI, STÖHR (Philos. d. unbelebten Materie, S. 266 ff.),
HAECKEL, DRIESCH, L. W. STERN (Zeitschr. f. Philos., Bd. 121, 1903),
(Das Werden der 1908), L. GILBERT (Neue Energetik, 1911)
u. a. Nach F. AUERBACH verzögert das organische Leben die Entropie (s. Ek-
tropie); ähnlich auch BERGSON (Evolution creatrice, S. 264 ff.), L. W. STERN
a. — Vgl. WALD, Die Energie und ihre Entartung WUNDT, Logik II8,
1907; M. PLANCK, Das Bewegungsgesetz der 1908; OSTWALD, Die
Philosophie der Werte, 1913 (die E. als Ursache der Wertung).
Entschluß (Entschließung) ist der Abschluß eines Kampfes von Motiven
{s. d.), das Herrschendwerden einer bestimmten Willensrichtung, die Zu-
des wollenden Ich zu einer von verschiedenen Willensmöglichkeiten,
•die feste Absicht, sie zu realisieren, der oft ein Überlegen, Schwanken, Er-
wägen vorangeht. „Den der Handlung unmittelbar vorangehenden psychischen
Vorgang des mehr oder weniger plötzlichen Herrschendwerdens des entscheiden-
Motivs nennen wir bei den Willkürhandlungen im allgemeinen die Ent-
scheidung, bei den Wahlhandlungen die Beide Vor-
gänge sind von entsprechenden Gefühlen begleitet (WUNDT, Grundr. d. Psy-
chol.6, 1900, S. f.; Grdz. d. phys. Psychol. III5, 1903, 225 ff.). VgL
Wille, Wahl.
Entstellen und Vergehen s. Werden, Veränderung,
Schöpfung.
Entwicklung (Evolution) ist, allgemein, das Hervorgehen von Zu-
ständen oder Seinsformen so daß sich eine stetige Reihe ergibt,
innerhalb deren die einzelnen Formen als einander hervortreibende oder aus
der gemeinsamen Unterlage vorgetriebenen Momente, Phasen, Stufen eines
einheitlichen Prozesses, Werdegangs sich darstellen. Insbesondere ist E. Her-
vorgang „höherer", komplizierterer, reicherer, „vollkommenerer"
Formen aus weniger vollkommenen („Höherentwicklung"), wenn es auch
Entwicklungen gibt. Eine wahre E. erleben wir zunächst in
unserem eigenen Seelenleben (psychische E.), welches ein fortwährendes Hervor-
neuer Zustände aus älteren, z. T. von außen veranlaßt, stets aber un-
mittelbar durch Triebkräfte, Tendenzen der Seele (s. d.) selbst bedingt, aufweist.
Die psychische, geistige E. sowohl des Einzelnen wie der Gesamtheit (s. Ge-
samtgeist) zeigt im Ganzen einen Aufstieg zu steigender Differenzierung ver-
bunden mit immer neuer „Integrierung", Vereinheitlichung des wachsenden
Reichtums von geistigen Qualitäten und Werten. Das Bewußtsein wird immer
reicher, umfassender, feiner, zusammenhängender, aktiver, selbstbewußter. In
der geistigen E. betätigen sich „zielstrebige" Kräfte (s. Zweck), es findet ein
Kampf, Wettstreit der Ideen und Werte statt, es besteht eine geistige Auslese,
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften