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Handwörterbuch der Philosophie
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Entwicklung. Anpassung, Vererbung u. dgl. Das Geistesleben hat eben auch seine biologische und die Faktoren der biologischen E. wirken, z. Teil modifiziert, auch in der psychischen und sozialen E., bei aller Eigenart beider (s. Soziologie, Kultur). Die E. der Lebewesen, beruht teils auf äußeren, teils auf inneren Faktoren. Die Organismen variieren durch Kreuzung und durch die Einwirkung „Milieu", der natürlichen Umgebung und der Lebensbedingungen, und werden diesen angepaßt; sie variieren und entwickeln sich ferner durch funktionelle Übung (s. d.), durch Betätigung (bzw. Nichtgebrauch) von Organen, bedingt durch Bedürfnisse, Tendenzen, die wiederum durch Veränderungen des Milieu oder durch den Wettbewerb um die Lebensbedingungen, den „Kampf ums Da- sein" bestimmt sein können. Endlich findet auch eine „Selektion" (s. d.), eine Auslese" statt, indem vielfach die ihrem Milieu nicht angepaßten Lebensformen ausgemerzt werden, während die (relativ) angepaßten sich er- halten, ihre Eigenschaften vererben, bis nach vielen Generationen eine neue Art da ist, an deren Zustandekommen das Milieu, die funktionelle Übung, die Selektion, die Vererbung beteiligt waren, wobei in verschiedenen Fällen ver- Faktoren überwiegen. Die E. ist kein bloßes Zufallsprodukt, nichts rein mechanisch Bewirktes, sondern es sind an ihr in hohem Maße die eigenen Kräfte, Reaktionen, Aktionen der Organismen beteiligt, um so mehr, je höher •die Organismen schon entwickelt sind („Aktiver Evolutionismus"). Von Anfang an sind an der E. auch psychische Faktoren (Bedürfnisse, Strebungen, Triebe, nicht etwa immer klarbewußte u. dgl.) beteiligt, nicht aber als Ursachen, welche den physischen Kausalnexus durchbrechen, sondern als das „Innensein" der organischen Kräfte und Handlungen selbst, in denen sie zu objektiver Erscheinung gelangen. Erst im Menschen, in der geistigen, sozialen kulturellen E. werden diese psychischen Faktoren z. Teil zu zweckbewußten, vorausschauenden Willensakten; nur im weitesten Sinne also ist der „Wille" d.) die innerste Triebkraft aller Entwicklung, die „von außen gesehen" sich als rein physischer Prozeß darstellt. Vermöge der (s. d.) der Zwecke werden, ohne daß von Anfang an das erreichte Zweckmäßige schon vorausgesehen oder geplant ist, die Organismen immer zweckmäßiger. Der Ausdruck „evolutio" bedeutet bei NICOLAUS CUSANUS die Entfaltung des Punktes est puncti evolutio"). J. BÖHME gebraucht das Wort LEIBNIZ und im psychologischen Sinne. Die Keime zur heutigen Entwicklungs-, Deszendenz- oder theorie finden sich schon im Altertum. HERAKLIT lehrt ein ewiges Werden, ein Umschlagen von Gegensätzen ineinander; der „Kampf" (s. d.) ist der Vater alles Geschehens (vgl. Diog. Laert. IX, 9). Nach EMPEDOKLES traten durch Urzeugung (s. d.) erst viele (Tiere bloß mit Augen usw.) auf, welche zugrunde gingen, während die lebensfähigen Formen sich erhielten ARISTOTELES, De III*, 300 b 28). Auch ANAXAGORAS, DEMOKRIT u. a. lehren eine Urzeugung. Nach ANAXIMANDER gingen Landtiere und Menschen aus dem Wasser, wo sie erst in Fischform lebten, ans Land und paßten sich diesem an (Plutarch, Quaest. VIII, 1, 4). Die der und Ausmerzung der unzweckmäßigen Formen lehrt LUCREZ (De natura V, 834 ff.). Nach ARISTOTELES ist alles Werden Ent- wicklung in dem Sinne, daß Potentielles sich verwirklicht, formt, vollendet H. MEYER, Der Entwicklungsgedanke bei Aristoteles, 1909). er, 12
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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