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Erfahrung. 185
die methodische E. (k. unterscheiden. Die E. ist die
Erkennens; noch mehr ist sie dies nach den (vgl. Sensualismus)..
Die Scholastiker lassen die E. hinter dem begrifflichen Denken
treten, betrachten sie aber doch wie ARISTOTELES als Ausgangspunkt der Er-
kenntnis. E. (experientia) ist Erkenntnis des Einzelnen cognitio").
Für die Naturwissenschaft weisen auf die E. besonders ALBERTUS
und ROGER BACON hin, welcher überhaupt erklärt, ohne E. gäbe kein
sicheres Wissen („sine experientia nihil sufficienter sciri Es gibt
äußere, sinnliche und innere, geistige E. („scientia Opus
Nach WILHELM VON OCCAM beruht die Erkenntnis auf äußerer und innerer
E. Die Mystiker (s. d.) glauben durch innere E. das Übersinnliche
bar erfassen zu können (Von „innerer" E. spricht erst V. WEIGEL).;
In der Renaissance kommt [die E. methcdologiseh viel
bei KEPLER, GALILEI, L. DA VINCI, PARACELSUS U. a., aber auch bei dem
Rationalisten DESCARTES. Empiristen sind
NELLA u. a. (vgl. CASSIRER, Das Erkenntnisproblem, 1906 f.; 2. A. 1911).
Den methodologischen Empirismus begründet F. BACON (Baco von
Gegenüber dem rein begrifflich-schließenden Verfahren (s. Schluß)
tont er die der planmäßigen, methodischen Erfahrung, welche sich
an der Natur selbst orientiert I, ff.; vgl.
Auch HOBBES bewertet die E. hoch; sie ist die Erinnerung an eine Vielheit
von Dingen („memoria multarum Leviathan S. 9). Den
kenntnistheoretischen Empirismus begründet LOCKE, der die Lehre von den
angeborenen (s. d.) Ideen bekämpft und alle Erkenntnis auf äußere („Sensation")«
und innere E. („reflection") zurückführt. Vor aller E. gleicht der Geist einem
„weißen Blatte", auf das erst die Erfahrung Zeichen einprägt; nichts ist im
Denken, was nicht erst als Wahrnehmung gegeben war („nihil est in intellectu,
quod non prius in sensu"). Doch hat der Geibt die Fähigkeit,
stellungen aktiv zu verknüpfen und zu (Essay human under-
stand. I, K. 2 ff.; II, K. 1). BERKELEY gibt der innern E. den Vorrang
der äußern (s. Idealismus), während CONDILLAC den Sensualismus (s. d.) ver-
tritt. Nach HUME ist E. eine Folgerung auf das Eintreffen von
und diese stützt sich auf Assoziation und Gewohnheit (s. Kausalität).
Begriffe, die Erkenntniswert haben, stammen aus „Eindrücken", primären
Erlebnissen (Treatise I, sct. 1; Enquiry, deutsch in der Tat-
sachen sind nur durch Erfahrung erkennbar, und diese ist von einem biolo-
gischen Prinzip, einem „natürlichen Instinkt" beherrscht, der uns zum Glauben
an die Wiederkehr des Gleichen treibt, obzwar wir weder Ursächlichkeit, innere
Verknüpfung des Geschehens, noch Kraft erfahren. — Empiristen sind
P. BROWN, JAMES MILL, BONNET, HERDER, GOETHE, nach
dem aber die Erfahrungen vom Lenken „aufgefaßt, zusammengenommen, ge-
ordnet und ausgebildet" werden („rationeller Empirismus"). E.
umfaßt eine von Erfahrungen (vgl. SIEBECK, Goethe als Denker2,
Daß die E. nur ein Anlaß zur Bewußtwerdung der Denkgesetzlichkeit ist,.
lehrt LEIBNIZ. Der Intellekt ist selbst eingeboren. den
zufälligen, sind die apriorischen, ewigen, denknotwendigen, zeitlos gültigen
Wahrheiten (s. d.) zu unterscheiden. Die E. allein sagt uns nichts absolut
Notwendiges (vgl. Nouv. Essai, Vorwort; II, K. 1; IV, K. 1). Auch die
schottische Schule lehrt, E. sage uns nur, was ist, nicht was sein muß
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften