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Erkenntnis. 193
und innerer Erfahrung („Sensation" und „reflection"). E. ist nur
möglich, wenn die Vorstellungen ihren Gegenständen entsprechen; sie ist die
Erfassung der Verknüpfung und Übereinstimmung, bzw. des Widerstreites der
Ideen (Essay concern. unterstand. IV, 1 ff.). Es gibt intuitive, demon-
strative und sinnliche E.; die intuitive E. (von unserem Ich) ist unmittelbar
gewiß (1. c. K. 2, § 1). E. entsteht durch Einwirkung der Dinge auf uns und
•durch aktive Verknüpfung der so erhaltenen Vorstellungen. Nach BERKELEY
stammen unsere objektiven Vorstellungen direkt von Gott (s. Idealismus).
leitet alle E. aus der Empfindung ab (vgl. Sensualismus). Nach
HUME erkennen wir nur, was uns durch die Wahrnehmung gegeben ist; die
E. ist bedingt durch biologisch-psychologische Faktoren, durch Assoziation,.
Erwartung, Gewohnheit, Phantasie, Instinkt (vgl. Kausalität, Objekt, Substanz).
Wir erkennen nur Zusammenhänge von Erfahrungsinhalten, nicht letzte Ur-
sachen und Kräfte. Unabhängig von aller Erfahrung (vgl. aber „Mathematik",
Gegenstandstheorie) gibt es keine Erkenntnis (Enquiry; Auf „selbst-
Wahrheiten" des „Gemeinsinnes" (common sense) stützt die
tische Schule U. a.) die E.
Einen gemäßigten Rationalismus vertritt LEIBNIZ, der ein A priori (s. d.)
E. annimmt, nämlich den Intellekt, der die Anlagen zur Hervorbringung
von Urteilen hat, die streng notwendig gelten (s. Wahrheit). E. ist ein Pro-
dukt des Geistes, veranlaßt durch die Erfahrung, nicht von außen bewirkt.
Die E. ist dunkel oder klar (s. d.), die klare E. deutlich oder verworren (s. d.),
die deutliche E. adäquat oder inadäquat, symbolisch oder intuitiv. Der
Geist erfaßt denkend das Wesen der Dinge selbst (Nouveaux Mona-
dologie; Meditationes de cognitione. veritate et ideis; vgl. Mathematik, Axiom,
Logik). Nach CHR. WOLFF ist E. der Akt der Erwerbung einer Vorstellung
oder eines Begriffs von einem Dinge („actio qua notionem vel ideam
Tei sibi Psychol. empir. § 52). Es gibt einzelne, allgemeine, an-
symbolische, empirische, rationale (philosophische), historische,
mathematische E. TETENS (Philos. Versuche, f.) und LAMBERT (Neues
1764; Anlage zur Architektonik, 1771) unterscheiden zwischen Form
(s. und Stoff der E.
Diese Unterscheidung ist grundlegend bei KANT, dem eigentlichen Be-
gründer des Kritizismus (s. d.). E. ist nach KANT nicht eine Abbildung gegebener
Objekte, sondern die Herstellung eines einheitlichen, objektiven,
allgemeingültigen Zusammenhanges durch die in den Kategorien (s. d.)
und Grundsätzen (s. Axiom) am „Stoffe" der Erkenntnis sich betätigende syn-
thetische (s. d.) Funktion des Bewußtseins. Ebenderselbe methodische Prozeß,
in welchem uns Objekte (s. d.) erstehen, zeitigt auch die E. dieser Objekte, die
aber nicht „Dinge an sich", sondern nur „Erscheinungen" 's. solcher Dinge
sind, von denen nur der Stoff, nicht die Form der E. herrührt. E. ist das Er-
zeugnis apriorischer (s. d.) Faktoren, bezieht sich aber nur auf Gegenstände
möglicher Erfahrung reicht nicht über die prinzipielle Erfahrbarkeit hin-
aus, lehrt uns nur, wie die Dinge sich einem „Bewußtsein überhaupt" darstellen,
nicht wie sie an sich, unabhängig von den Formen des Erkennens sein mögen.
Zu aller E. gehört Anschauung (s. d.) und Denken (s. d.), ein Begriff, durch
welchen ein Gegenstand gedacht wird. Die Kategorien liefern uns Erkennt-
nis von Dingen „nur durch ihre mögliche Anwendung auf empirische An-
obzwar sie nicht aus der Erfahrung stammen. Es ist uns keine
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften