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196 Erkenntnis.
Außendingen haben wir in der Naturwissenschaft eine mittelbare,
von unserem Geistesleben eine unmittelbar-anschauliche E. (System
d. Philos. I8, 1907; Logik I8, 1906). Einen kritischen Erkenntnisbegriff
haben ferner SCHUPPE (Erkenntnistheoret. Logik, 1878; Grundriß d. Erkenntnis-
theorie u. Logik, 1895), BERGMANN (Die Grundprobleme d. Logik2, 1895;
System d. objektiven Idealismus, 1903), HEYMANS (Die Gesetze u. Elemente d.
Denkens, 1900 f.), NELSON (Über das sogenannte Erkenntnis-
problem, 1908), CASPARI (Das Erkenntnisproblem, J. SCHULTZ (Die drei
der Erkenntnistheorie, 1907), EISLER in die Erkenntnistheorie,
1907), HÖNIGSWALD, ELSENHANS (Fries u. Kant, 1906), THIELE, DENEKE
(Das menschliche Erkennen, 1906), PETRONIEVICS U. a. Vgl. REHMKE,
Philos. als Grundwissenschaft, 1910; MEYERHOLZ, Erkenntnisbegriff und Er-
kenntniserwerb, 1908.
Empiristisch-realistisch wird die E. z. B. von UEBERWEG bestimmt, als
„Tätigkeit des Geistes, vermöge deren er mit Bewußtsein die Wirklichkeit in sich
reproduziert". Das Wesentliche der Dinge wird durch unsere
und Denkformen erkannt (System d. Logik6, 1882; u. Lebensansch. hrsg.
von Brasch, 1889). Hier sind ferner FEUERBACH, DÜHRING, V. KIRCHMANN
(s. Realismus) u. a. anzuführen.
Als Erfassung der konstanten Relationen der Dinge fassen die E. auf die
Positivisten (s. d.) COMTE, MOLESCHOTT U. a., auch E. LAAS, nach welchem
E. die „Heraussonderung des objektiv Zusammengehörigen aus dem subjektiv
Zusammengesetzten" ist u. Positivismus, 1879 f.); vgl. ZIEHEN, Psycho-
physiol. 1907; VERWORN, Die Frage nach den Grenzen der
E., 1908; VOLKMANN, Grundzüge der Naturwissenschaft2,
1910; KLEINPETER, D. Erkenntnistheorie d. Naturwiss. d. Gegenwart, 1905.
Als „Beschreibung" von der Erfahrungstatsachen und denkökono-
mische Ordnung und Verknüpfung derselben fassen die E. auf E. MACH,
AVENARIUS, PETZOLDT, CLIFFORD, STALLO, PEARSON, KLEINPETER U. a. Diese
Positivisten betonen auch den biologischen Ursprung und den
tischen Zweck der E. So ist nach MACH (Erkenntnis u. Irrtum2, 1906) die
Wissenschaft (s. d.) ein Mittel im Dienste der Selbsterhaltung, und nach
AVENARIUS ist die E., die sich zwischen „Problematisation" und „Deproble-
matisation" bewegt, eine physiologisch-biologische Funktion (s. Empiriokritizis-
mus). Nach NIETZSCHE steht die E. im Dienste von Instinkten, Trieben,
Lebensbedürfnissen, des „Willens zur Macht" (WW. XV). Nach SPENCER,
LEWES, RIBOT, SIMMEL, POTONIE, L. STEIN U. a. spielen biologische Faktoren
(Auslese) eine Rolle in der Entwicklung der E. (s. Wahrheit). Nach JERUSA-
LEM ist die E. ein Mittel zur Erhaltung des Lebens, das später aber zu einem
theoretischen Funktionsbedürfnis wird; E. ist ein Produkt sozialer, gemein-
schaftlicher Arbeit (Einleit. in d. Philos.4, 1909; Der krit. Idealismus, 1905;
Lehrb. d. 1907; vgl. Wahrheit). Das Biologische, sowie die Be-
deutung des Willens und der Zwecksetzung in der E. betonen auch der Prag-
matismus (s. d.) und (s. d.): JAMES, F. C. S. SCHILLER U. a.
Auch BERGSON, nach welchem die begriffliche E. uns nur die Dinge so zeigt, wie
sie der dem Handeln dienende Verstand sich zurecht legt (ähnlich NIETZSCHE,
C. BRUNNER U. a.), nicht wie sie die „Intuition" (s. d.) unmittelbar erfaßt
et 1909, S. 203). Daß die E. dem tätigen Leben dient, nicht
Selbstzweck ist, betont der (s. d.) überhaupt (vgl. schon SCHOPEN-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften