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Handwörterbuch der Philosophie
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198 Erkenntnislehre. (s. d.) Erkenntnisbedingungen. Sie zeigt kritisch, was die Erkenntnis- faktoren leisten können, was nicht, welcher Art deren Gültigkeit ist und worauf sie beruht. Indem sie sich auf die Voraussetzungen aller Erkenntnis besinnt und den Leistungswert der Erkenntniselemente ermißt, wird sie zu einem Mittel gegen den Dogmatismus (s. d.) und zur Begrün- dung einer kritischen Weltanschauung. In ihr kommt das Erkennen zum vollen Bewußtsein seiner selbst; sie geht vom willen, Anspruch auf Erkenntnis aus und zeigt, in welcher Weise und wieweit das Erkenntnis- ziel erreichbar ist, wobei sie die Gültigkeit der Denkgesetze (s. d.) — deren Bestreitung, wie der an jeglicher Erkenntnis zu einem Selbstwiderspruch führt — voraussetzen muß (vgl. Skeptizismus). Der Name „Erkenntnistheorie" kommt zuerst bei E. REINHOLD vor (Theorie des Erkenntnisvermögens, 1832). Bei A. BAUMGARTEN findet sich zuerst der Ausdruck „Gnoseologie" (s. Ästhetik). theoretische Untersuchungen finden sich schon im Einzelnen bei älteren Denkern (s. Erkenntnis). Aber erst LOCKE begründet eine systematische Erkenntnistheorie. Diese will „den Ursprung, die Gewißheit und die Aus- dehnung des menschlichen Wissens, sowie die Grundlagen und Abstufungen des Glaubens, der und Zustimmung" erforschen (Essay concern. understand. I, K. 1, § 2; vgl. RIEHL, Der philos. Kritizismus, 1908, I2). Er- kenntnistheoretiker sind ferner BERKELEY (Principles of human knowledge, 1710) und HUME (Treatise on human nature, f.; deutsch 1895, 2. A. 1904; Enquiry concern. hum. understand., 1748; deutsch in der „Univ.-BibL"), welcher die Erkenntnis, die Erfahrung nach ihrem Gehalte analysiert, nach dem Ur- sprung unserer Begriffe forscht, die „verborgenen Quellen und Prinzipien" des Verstandes sucht, um die Grundlagen und Grenzen der Erkenntnis festzustellen, (Essay on the powers of the human 1788) u. a., ferner LEIBNIZ (Nouveaux Essais), LAMBERT, TETENS U. a. (vgl. Erkenntnis). Als der eigentliche Begründer der Erkenntniskritik gilt meist KANT. Er will die Erkenntnis nicht psychologisch behandeln, sie auch nicht ableiten — er setzt sie voraus —, sondern sie legitimieren; insbesondere will er zeigen, wie objektive Erfahrung möglich ist, wie es möglich ist, daß wir unabhängig von der Erfahrung Begriffe und Urteile (s. d.) gewinnen und mit diesen doch die Objekte der Erfahrung erkennen können. Er will „die Vernunft selbst nach ihrem ganzen Vermögen und Tauglichkeit zn reinen Erkenntnissen a priori" der Prüfung unterwerfen, durch eine „Kritik der reinen Vernunft". Diese ist die Kritik „des Vernunftvermögens überhaupt, in Ansehung aller Erkenntnisse, zu denen sie, unabhängig von aller Erfahrung, streben mag, mithin die Entscheidung der Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Metaphysik überhaupt " und die Bestimmung sowohl der Quellen, als des Umfanges und der Grenzen derselben, alles aber aus Prinzipien". Die Erkenntniskritik ist transzenden- tal (s. d.); sie hat es „mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, sofern diese a priori möglich sein soll" zu tun (Krit. d. rein. Vernunft, S. 5 ff., 581). Die transzendentale „Deduktion" (s. d.) zeigt, daß die Kategorien (s. d.) Be- dingungen der Erfahrung (s. d.) und der Erfahrungsobjekte selbst sind, woraus es sich begreift, daß wir a priori (s. d.) von den Dingen Aussagen machen können, welche für sie gelten (vgl. Kritizismus). Aus der „Einheit der trans- zendentalen Apperzeption" werden die Grundbedingungen der Erfahrung ab- geleitet, und so gibt KANT zugleich mit der Theorie des Apriorischen eine
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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