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206 Erwartung — Ethik.
beruhende oder sonst nur scheinbar begründete, scheinbar logisch abgeleitete
Aufstellung eines Satzes. Vgl. Petitio
Erwartung ist Spannung oder Einstellung der Aufmerksamkeit auf
einen künftigen (in der Vorstellung oder nur gefühlsmäßig antizipierten) Ein-
druck, Vorbereitung, Bereitschaft von Sinnesorganen und des Bewußtseins zur
Aufnahme bestimmter Reize, „vorbereitende Aufmerksamkeit" (KÜLPE). Im
Zustande der E., der auf Grund einer Assoziation (s. d.) von Vorstellungen,
der Gewohnheit (s. d.) ausgelöst werden kann, ist das Bewußtsein einseitig ge-
richtet, konzentriert, auch wenn es sich um eine „unbestimmte" E. handelt.
Begleitet wird die E. von einem spannenden Gefühl und von
; nach dem Eintritt des Erwarteten tritt ein der
auf (WUNDT, Grundr. d. Psychol.5, 1902, S. 260; Grdz. d. phys. Psychol.
1903, 346 ff.). Die E. kann auch in einem „Erwartungsurteil" zum Ausdruck
kommen (vgl. JERUSALEM, Die Urteilsfunktion, 1895, S. 134 ff.). Die E. hat
außer ihrer [biologisch-psychologischen eine erkenntnistheoretische Bedeu-
tung, insbesondere als E. der Wiederkehr gleicher Abfolge und Zusammenhänge
in der Zukunft, gleicher Fälle überhaupt (vgl. Kausalität: HUME), als Projek-
tion der Vergangenheit in die Zukunft, welche bei der Ausbildung des Sub-
stanz- und Kausalbegriffes beteiligt ist (vgl. AARS, Die Erwartung, 1911).
Erziehung s. Pädagogik.
asinorum") bedeutet ursprünglich eine logische
Verhältnisse veranschaulichende Figur (vgl. PRANTL, Gesch. d. Logik,
IV, 206).
s. Exoterisch.
Essentla: (s. d.), Wesenheit.
Ethellsmus ich will) = Voluntarismus (s. dA
Ethik (xd von Sitte; „philosophia schon bei
SENECA ; „ethica", „Sittenlehre" zuerst bei MOSHEIM) ist die Wissenschaft vom
sittlichen Wollen und Handeln. Die empirische „E." im weiteren Sinne ist
Moralwissenschaft, d. h. Psychologie und Soziologie des sittlichen
Entwicklungsgeschichte desselben. Die philosophische E. ist die kritisch-nor-
mative Wissenschaft vom Sittlichen, vom sittlichen Wollen und Handeln, von
den sittlichen Werten, von den Prinzipien der Sittlichkeit. Während
die beschreibend-genetische E. den psychologisch - soziologischen Tatbestand
sittlichen Fühlens, sittlicher Begriffe und Urteile, sittlicher Handlungen dar-
legt, analysiert, aus biologischen, psychologischen, sozialen Faktoren genetisch
ableitet, begreiflich macht, entwickelt die philosophische E. die Prinzipien
der Bewertung des Wollens und Handelns im Hinblick auf den
Inhalt, das Ziel, das Ideal des Sittlichkeitswillen. Sie legt
die Grundsätze dar, auf welchen die Sittlichkeit beruht und aus
die sittlichen Normen sich herleiten, sie „deduziert" die sittlichen Normen
selbst als Mittel und Bedingungen zur Verwirklichung des reinen
willens. Die Normen gewinnt sie aber ihrem konkreten Inhalte nach nicht
aus sich selbst, sondern an der Hand der historisch entwickelten Gebilde
des Gesamtgeistes, welches eben die objektive Sittlichkeit (s. d.) heißt. Die
E., eine normative Wertwissenschaft, ist nicht von der abhängig,
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften