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Fesapo Fiktion. 217
I, 13; II, 2; VI, 4 (vgl. Tugend); SCHLEIERMACHER, Philos.
lehre, 1809, § 310 f.; JERUSALEM, Lehrb. d. Psychol.4, 1907, § 10.
Fesapo heißt der vierte Modus der vierten Schlußfigur (s. d.):
allgemein verneinend (e), Untersatz allgemein bejahend (a), Folgerung besonders
verneinend (o). P e M | M a S | S o P (Gekünstelte Schlußform).
Festino heißt der dritte Modus der zweiten Schlußfigur (s. d.):
satz allgemein verneinend (e), Untersatz besonders bejahend (i), Folgerung be-
sonders verneinend, Pe M | Si M | So P. z. B. Kein Tier (im engeren Sinne>
hat abstrakte Begriffe; Einige Wesen haben solche; Also sind einige Wesen
keine Tiere.
Fetischismus (von dem portugiesischen Wort Verehrung von
Gegenständen, denen man zauberische Kräfte zuschreibt, da man sie als
von Geistern, als von Geistern beseelt auffaßt. Der F. ist eine
stufe des Animismus (s. d.). Vgl. FR. SCHULTZE, Der F.,
VölkerpsychoL, 1900 ff., II, 46 ff. — Vgl. Kausalität (MACH).
Fiktion (fictio, Erdichtung; „fictiones iuris", Rechtsfiktionen)
methodologisch eine (s. die wir zu bestimmtem (theoretischem oder
praktischem) Zwecke machen, wobei wir von der
meistens Unwirklichkeit oder gar Unmöglichkeit des Fingierten überzeugt sind-
Die (als solche bewußte) F. ist die phantasiemäßig-gedankliche
eines Seins, Geschehens, eines Verhältnisses, ob es so wäre, wie wir es
zurechtlegen, vorstellen, denken, um es besser begreifen, berechnen,
lichen, einordnen, um damit besser operieren, es besser geistig beherrschen
können. Die F. stimmt mit der Wirklichkeit nicht überein, weicht von ihr
verfälscht sie zum Teil, teils durch „Zusätze", teils durch Abstraktion, Elimination,
Isolierung, Idealisierung, Verabsolutierung, u. dgl. Gleichwohl
die (berechtigte, methodische) F. oft zweckmäßig, sie ist ein
„Kunstgriff" des Geistes, mittelst dessen er das Erkennen und Handeln fördert-
In der Rechtswissenschaft, Ethik, Mathematik, Physik (vgl. Atom) usw.
die F. eine nicht geringe Rolle, und es ist erkenntnistheoretisch von Wichtig-
keit, einzusehen, daß eine Reihe von Begriffen, die wir direkt auf eine Wirk-
lichkeit beziehen, eigentlich nur Fiktionen sind, wie auch manches, was
verifizierbare Hypothese oder Theorie gilt, eigentlich nur als Fiktion
ist. Doch braucht dies nicht zu einem zu führen, der schon
in den Grundbegriffen der Erkenntnis, den Kategorien (s. d.) lauter Fiktionen
erblickt.
Einen Standpunkt vertritt (wie schon NIETZSCHE U. a.) VAIHINGER,.
der eine umfassende Theorie der F. gibt. Fiktionen sind „Kunstgriffe" des
Denkens. Die F. ist eine „wissenschaftliche Erdichtung zu praktischen
Zwecken", ein zweckmäßiges Gebilde der Einbildungskraft zur Erleichterung
des Denkens, zur Beherrschung der Wirklichkeit durch Denkmittel, welche bloß ihr
widersprechen („Semifiktionen", „Halbfiktionen") oder auch in sich selbst wider-
spruchsvoll sind (Die Philos. des Als ob, 1911, S. 24 ff., 65 ff.). „Die bewußte
Abweichung von der Wirklichkeit soll die Erreichung der letzteren
(1. c. S. 27); so z. B. ist die Vernachlässigung der anderen Motive des
delns gegenüber dem rein egoistischen eine nützliche, „abstraktive" F. der
Nationalökonomie (bei A. SMITH). Wichtig sind besonders die
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften