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Form. 219
haltenden Kräften, oder auf einer „Formenergie": OSTWALD, beruhend), innere
F., organische Form, Form von psychischen und logischen Gebilden (Vor-
stellungen, Urteilen usw.), ästhetische, soziale Form, Sprachform u. a. Ins-
besondere sind von Wichtigkeit die Formen der Erkenntnis, die An-
schauungsformen (s. d.), Raum und Zeit, und die Denkformen (s. Kategorien).
Diese „Formen" sind nicht angeborene, von der Erfahrung getrennt existierende
Wesenheiten, sondern Formen der Einheitssynthese, durch die Mannig-
faltigkeit des Gegebenen ebenso wie durch die Gesetzlichkeit des erkennenden
Bewußtseins bedingte Weisen der Verknüpfung und Ordnung des
stoffes, Bedingungen, Konstituenten objektiver Erfahrung und von
objekten, für die sie daher allgemein und notwendig, a priori (s. d.) gelten.
Psychologisch entwickeln sich diese Formen an und mit dem Erfahrungsstoffe,
von dem sie nur durch isolierende Abstraktion und Reflexion getrennt werden
können; es liegen ihnen, psychologisch, Funktionen des Bewußtseins zugrunde
(s. Synthese). Die Formen der Anschauung und des Denkens sind zugleich
Formen des empirisch-objektiven Seins und zugleich weisen sie in ihren Be-
stimmtheiten auf etwas im „An sich" der Dinge hin, was ihre Anwendung
ermöglicht und bedingt. — Von der Form (Struktur) der Dinge hängt vielfach
die Wirksamkeit derselben ab, anderseits ist aber die F. selbst durch Kräfte
bedingt; insbesondere zeigt sich dies bei den Organismen (s. d.).
Während PLATON die „Ideen" (s. d.), die „reinen Formen", die Urbilder,
die ewigen Typen der Dinge von diesen trennt und sie zu besonderen, jenseits
der Erscheinungen Einheiten macht, verlegt die Formen
in die Dinge selbst. Die F. ist eines der Prinzipien der Dinge,
sie bildet das Wesen (s. d.), den Begriff (Xoyog) derselben, ist das,
was den nur potentiell existierenden Stoff erst zu etwas Wirklichem und Be-
also ein Gestaltungsprinzip, die als innere Kraft, als Ziel
des Werdens, der Entwicklung in den Dingen wirksam ist. Die „Formen" sind
ewig, ungeworden und unvergänglich, nicht werdend, sondern Bedingungen des
die reine, stofflose F. ist Gott (s. d.). Nur in der Abstraktion gibt es
ungeformten Stoff und nur im Hinblick auf weitere Gestaltung ist etwas
formlos (z. B. der Marmor gegenüber der aus ihm herstellbaren Statue). Die
Dinge streben nach der Form, diese ist die Wirklichkeit, Verwirklichung
Energie), Vollendung (s. Entelechie) des Dinges, dem sie das Sein und
Wesen, die Besonderheit und Bestimmtheit verleiht, als der aktive Ge-
staltungstypus desselben (z. B. die „Menschlichkeit" ist dasjenige, was eine
organische Substanz zum Menschen gestaltet). Die Form ist das Allgemeine,
das Wesen, die Substanz der Dinge. Eine „Form" ist auch die Seele
(s. d.). Vgl. Metaphys. VII 7, 1932 b; VII, 8; 10; De anima I, 1.
In diesem Sinne lehren betreffs der F. auch die Von den
äußerlichen Formen („formae accidentales") unterscheiden sie die Wesensform
welche entweder mit einem Stoffe verbunden
(„formae adhaerentes") oder (bei den reinen Intelligenzen, Engeln) stofflos
(„formae separatae"). Die F. („forma metaphysica") ist das Prinzip
des Wirkens agendi in unoquoque") und gibt dem Stoffe die
Wirklichkeit („forma dat materiae esse"). Die Urformen („formae exemplares")
der Dinge hegen im göttlichen Intellekt (s. Idee). Vgl. THOMAS, Sum. theol. I,
105, 1 c; III, 13, 1 c; Contr. gent. II, 30; 47; SUAREZ, Metaphys. disput. 15.
In der neueren Philosophie und Wissenschaft bedeutet die F. meist nicht
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften