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222 Frage — Freisteigend.
wechseln Perioden des entschiedenen Fortschritts mit solchen eines (partiellen)
Stillstands und Rückschritts ab, so daß aber im Ganzen doch eine Richtung,
Tendenz nach oben, nach immer reicherer und einheitlicherer
der Kultur- und zu bemerken ist, wobei später immer
mehr und immer selbstbewußter der zur Geltung
kommt, welcher immer wieder regulierend, ausgleichend, leitend eingreift.
Der Begriff des sittlichen Fortschreitens des Einzelnen findet
sich schon bei den Stoikern (Stob. II, 146). — Den F. in der Geschichte
lehren F. BACON, PASCAL, LEIBNIZ, LESSING, HERDER,
(F. in „Spiralen"), SCHILLER, HUMBOLDT, KANT, HEGEL, COMTE, PROUDHON
(Philos. du 1853), MARX, LAVROW, BUCKLE, SPENCER, GIDDINGS,
S. ALEXANDER, WUNDT, JODL, L. STEIN, GOLDSCHEID U. a. Nach H.
SIEBECK (Über d. Lehre vom genetischen Fortschritt der Menschheit, 1892),
u. a. ist der F. eine ethische Aufgabe. Den geschichtlichen F. bestreiten
ROUSSEAU, SCHOPENHAUER, TOLSTOJ, RENOUVIER U. a. — Vgl. RICKERT,.
Die Grenzen d. naturwiss. Begriffsbild., S. 468 (F. = „kontinuierliche Wertsteige-
rung"); MÜNSTERBERG, Philos. der Werte, 1908, S. 333; J. DELYAILLE, Essai
sur de l'idee du jusqu'ä la du 18. 1910; MICHAI-
LOWSKY, que le 1897 (Vielseitige, harmonische Entwicklung
der Anlagen des Individuums); C. F. DOLE, The Ethics of Progress,
LOTZE, 1896 f. — Vgl. Geschichte, Soziologie.
Frage ist der Ausdruck für das Verlangen, Begehren nach einem Wissen
um etwas, um ein Sein oder So-sein, um ein „Was", „Wie" oder „Warum".
Der Fragende hat den Willen zu einer Einsicht, zu einem Urteil, zur Gewiß-
heit eines solchen und fordert eine Antwort, die ihm dieses Urteil, diese
Urteilsgewißheit bietet. Im engeren Sinne sind „Fragen" soviel wie Pro-
bleme (s. d.).
Während ältere Logiker die F. für eine Art Urteil halten (vgl. auch
Zeitschr. f. Psychol. I, 310 ff., B. ERDMANN, Logik, 1907, I,
„geltungsloses Urteü"), wird sie jetzt meist als Wille zu einem Urteil aufgefaßt.
Vgl. BOLZANO, Wissenschaftslehre, § Die intellektuellen Funk-
tionen, 1909, S. 175 f.; MARTINAK, Das Wesen der Frage. Atti V. Congr.
Roma MEINONG, Über Annahmen, 1902, S. LIPPS, Grundr. d.
1893, S. 24; JERUSALEM, Die Urteilsfunktion, 1895, S. 172; COHEN, Logik,
1902, S. 69; HÖFFDING, Der menschL Gedanke, 1911, S. 81; STADLER, Kant-
studien XIII, 1908, S. 238 ff. (Die F. = eine „Grundbedingung der Erfahrung";
der Erkenntniswille ergibt die Grundfragen, welche die „grundlegenden Hypo-
thesen des Erkennens", das A priori desselben LIEBMANN, Kant u. die
Epigonen, 2. A. 1912, S. 54 (F. als subjektiver Grund der Erkenntnis);
NATORP, Die logischen Grundlagen der exakten Wissenschaften, 1910 (Die
F., als Richtung auf die erst zu vollziehende Bestimmung, ein Moment des
Denkprozesses).
Freidenker (Freethinker zuerst bei MOLYNEUX) vgl. Deismus. VgL
A. COLLINS, A Discourse of 1713; J. M. ROBERTSON, Short
History of Freethought, 1899; NOACK, Die F. in der Religion, 1853—55.
s. Willensfreiheit, Notwendigkeit,
Freisteigend nennt HERBART Vorstellungen, welche durch bloßen
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften