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Handwörterbuch der Philosophie
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228 Gedächtnis. EBBINGHAUS a. ist das G. eine Disposition zu Erinnerungsvorstellungen. Während ZIEHEN an ein Zurückbleiben latenter (materieller) Erinnerungsbilder in Ganglienzellen („Retention") glaubt (Das Gedächtnis, 1908, S. 4 ff.), spricht KÜLPE nur von „zentral erregten Empfindungen". Zur Erinnerung wird eine Vorstellung erst durch ein Urteil (Grundr. d. Psychol., 1903, S. 175 ff.). Als einen Fall sukzessiver Assoziation betrachtet die Erinnerung besonders WUNDT. Erinnerung erfolgt, wenn die der neuen, die Assoziation veranlassenden Wahrnehmung widerstreitenden Vorstellungselemente sich zu einem be- sonderen Vorstellungsgebilde vereinigen, das direkt auf einen früher stattge- Eindruck bezogen wird, womit ein „Erinnerungsgefühl" sich verbindet. Erinnerungs- und Wahrnehmungsvorstellungen weichen nicht nur qualitativ und intensiv, sondern auch in ihrer elementaren Zusammensetzung vonein- ab (Grundr. d. Psychol.5, 1902, S. 289 ff.; Grdz. d. phys. Psychol. IIP, 1903, 595 ff.). Nach BERGSON gibt es keine Aufspeicherung von Erinnerungen im Gehirn. Dieses bewahrt nur Dispositionen motorischer Art, welche frühere Handlungen reproduzieren lassen („des motrices capables de jouer le Dieses motorische G. bereitet nur Handlungen vor, ist nichts als Gewohnheit, Übung. Davon ist das reine Gedächtnis, die reine Erinnerung pure", pure) zu unterscheiden. Dieses rein geistige Gedächtnis nimmt den Ausgang von einem „virtuellen Zustand", den wir durch eine Reihe von Bewußtseinsstufen hindurch bis zur Materialisation in einem bilde realisieren; jener virtuelle Zustand, jene Verwirklichungsmöglichkeit ist die „reine Erinnerung", die von einem Gehirnzustand nicht bewirkt, sondern im Gegenteil gefolgt wird, während sie rein geistig ist, das Wesen des Geistes (s. d.) selbst bildet et 1910, S. 252 ff.). Die Wahrnehmung (s. d.) ist stets von Erinnerungsbildern („souvenirs-images") erfüllt, und diese wieder haben Anteil an der „reinen Erinnerung", die sie zu verkörpern be- ginnen (1. c. S. 143 ff.; S. 73 ff.; vgl. Vergessen). Es gibt ein G., welches die Vergangenheit nur „abspielt", und ein G., welches sie „repräsentiert" (S. 79). Letzteres ist „un du passe* au agissante et sible". — Ein allgemeines organisches, ein Gattungsgedächtnis, aus welchem auch die Vererbung (s. d.) zu erklären ist, gibt es (wie nach HERING U. a., s. oben) nach R. SEMON. Er nennt es „Mneme". Als „Engramm" (s. d.) be- zeichnet er die im Organismus durch eine primäre Erregung (Originalempfin- dung) hinterlassene „latente Veränderung", durch deren Auslösung („Ekphorie- rung") die „mnemische Empfindung" (Erinnerungsbild) entsteht (Die Mneme2, 1908; Die mnemischen Empfindungen, 1909). Vgl. J. HUBER, Das G., 1878; DÖRPFELD, Denken und G.8, 1886; FOREL, Das G., 1885; FAUTH, Das G., 1898; KRAEPELIN, Psychiatrie, 1909; MAUTHNER, Sprachkritik I, 558; EBBINGHAUS, Abriß der Psychol.2, DYROFF, in d. Psychol., 1908; MÜLLER und PILZECKER, Experim. Beiträge zur Lehre vom Gedächtnis, 1900; MÜLLER u. Zeitschr. f. Psychol. der Sinnesorgane, VI; J. MÜLLER, Zeitschr. f. Philos., Bd. 107, 109; F. REUTHER, Psychol. Studien MEUMANN, Ökonomie und Technik des 1912; WRESCH- NER, Das G. im Lichte des Experiments2, 1910; SOLLIER, Les troubles de la RIBOT, Les maladies de la deutsch LASSON, Das G., 1894; J. VAN BIERVLIET, La memoire, 1901; COLE- Memory2, 1901; J. v. Über die materiellen Grundlagen
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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