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234 Gegenwart — Gehörnte.
frei". So kann sie sich auch mit unmöglichen Gegenständen (z. B. „viereckiger
Kreis") befassen. Die Relationen (s. d.) der Gegenstände (Gleichheit, Ver-
schiedenheit usw.) lassen sich unabhängig von der Erfahrung rein auf Grund
der Einsicht in das, was aus der Beziehung des Vorgestellten und Gedachten
zu anderen Gegenständen sich ergibt, erkennen. Es gibt eine allgemeine und
eine besondere Gegenstandstheorie (in der Mathematik, Logik, Psychologie
usw.; Untersuchungen zur Gegenstandstheorie, 1904, S. 40 ff.; Die Stellung d.
Gegenstandstheorie im System der Wissenschaften, 1907). Die G. behandeln
auch AMESEDER, E. MALLY, W. FRANKL, R. SAXINGER U. a. Ansätze
dazu finden sich schon bei LEIBNIZ, HUME, CHR. WOLFF, LAMBERT (Theorie
des BOLZANO, ITELSON (Revue de 1904).
Vgl. DRIESCH, Ordnungslehre, 1912; Zwei Vorträge zur Naturphilos., 1910;
KREIBIG, Die intellektuellen Funktionen, 1909, S. 308. — Vgl. Objekt, Logik.
Gegenwart s. Zeit. — Daß in der Gegenwart schon die Zukunft
potentiell enthalten ist, lehrt besonders LEIBNIZ. — Vgl. Gedächtnis (BERGSON).
Gehirn s. Seelensitz, Seele, Parallelismus.
Gehör (Gehörssinn) ist der Sinn für Gehörsempfindungen, Schall-
empfindungen. Die Gehörsreize sind die von schallenden Körpern ausgehen-
den longitudinalen Luftschwingungen, welche durch das Trommelfell, die
Gehörknöchelchen und die Labyrinthflüssigkeit aufgenommen werden und den
Hörnerven erregen; die Endfasern dieses Nerven breiten sich in der
„Schnecke" aus, welche die „Grundmembran" (mit den Kortischen Bögen) ent-
hält, deren Fasern auf die verschiedenen Töne abgestimmt sind und einzeln
oder in Komplexen erregt werden können („Schneckenklaviatur", nach der
Theorie von HELMHOLTZ). Je nachdem die Schwingungen
periodischer Art sind oder nicht, hören wir Klänge oder Geräusche. Die ein-
fachen Klänge oder reinen Töne entsprechen einfachen, pendelartigen (Sinus-)
Schwingungen. Die Intensität des Klanges hängt von der Schwingungsweite
(Schwingungsenergie) ab, die Tonhöhe von der Schwingungsanzahl (Dauer der
Schwingungen), die „Klangfarbe" von der Schwingungsform. Die Klangfarbe
hängt hierbei von den „Obertönen" ab, welche in verschiedener Anzahl, Lage
und Stärke mit dem „Grundton", dessen ganze Vielfache sie bilden, ver-
schmelzen. Tonempfindungen haben wir als Wirkungen von ca. 12 bis ca.
50000 Schwingungen in der Sekunde. Aus einer unvollkommenen Ver-
schmelzung von Einzelklängen entsteht ein „Zusammenklang". Die Super-
position der Schwingungen innerhalb des Gehörapparats ergibt „Differenz-
töne" verschiedener Ordnung; mit ihnen zusammen bilden die „Summations-
töne" die sog „Kombinationstöne". Der Grad der Verschmelzung ist durch
das Verhältnis der Schwingungszahlen bedingt (vgl. Konsonanz, Harmonie).
Die Töne bilden nach ihrer Höhe und Intensität eine zweidimensionale Man-
nigfaltigkeit. Vgl. HELMHOLTZ, Die Lehre von den 1896;
STUMPF, Tonpsychologie, EBBINGHAUS, Grundz. d. Psychol. I,
1902, 3. A. 1911; WUNDT, Grundriß d. Psych.5, 1902, S. 114 ff.; Grdz. d.
phys. Psych., 1903 ff., II5, S. 63 ff.; E. WAETZMANN, Die Resonanztheorie
des Hörens, 1912. — Vgl. Ton, Schwebung, Harmonie, Konsonanz, Halluzi-
nation, Statischer Sinn.
Gehörnte s. Cornutus.
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften