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Handwörterbuch der Philosophie
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244 — Geschichte. Religion usw. ist der Gesamtgeist schöpferisch tätig, ein „Gesamtbewußtsein" und ein „Gesamtwille" kommen hier zur Geltung. VgL WUNDT, Grundr. d. Psychol.6, 1902, S. f.; VölkerpsychoL, 1900 ff., I 1, S. ff.; System d. Philos. II3, 1907; Ethik4, 1912; SCHÄFFLE, Bau und Leben des sozialen Körpers2, 1896. — Vgl. Geist, Soziologie, Volksgeist. Gesamtvorstellung ist nach WUNDT ein Produkt „apperzeptiver Synthese", dessen Vorstellungsbestandteile als die Träger des übrigen Inhalts betrachtet werden (Grundr. d. 1902, S. 316 ff.). In der Zerlegung und Gliederung der G. besteht z. Teil die Denk- und Phantasie- tätigkeit (Logik I2, 1893—95, 33 ff.). s. Gesamtgeist, Rechtsphilosophie (ROUSSEAU, WUNDT), Wille. Geschehen s. Werden, Veränderung, Zeit, Kausalität. Geschichte bedeutet sowohl die Geschichtswissenschaft als das histo- rische Geschehen selbst. Die Geschichtswissenschaft ist keine abstrakte „Gesetzeswissenschaft", sondern hat Gegenstand die historische Entwick- lung, das historische Geschehen in seinem kausalen und teleologischem Zusammen- hang; sie forscht auf Grund verschiedener Quellen nach dem Ablauf der histo- rischen Begebenheiten, nach der historischen Entwicklung von sozial- politischen Gesamtheiten, von Kulturgebilden (Recht, Religion usw.), von Ideen. Sie verhält sich aber nicht bloß beschreibend, sondern sucht, auf Grund „apriorischer" Voraussetzungen, einheitliche Zusammenhänge des Geschehens, auch sucht sie das Einmalige, Individuelle nicht bloß in seiner Eigenart zu verstehen, zu deuten, sondern es auch möglichst aus allgemeinen, typischen, psychologisch-soziologischen Faktoren begreiflich zu machen, ohne deshalb historische „Gesetze" aufstellen zu müssen, an Stelle derer sie sich mit Typen, Rhythmen, konstanten Tendenzen, Richtungen u. dgl. begnügt. Die Bedeutung der großen Individuen, der „führenden Geister", darf nicht unterschätzt wer- den, so berechtigt auch die „kollektivistische" Geschichtsauffassung verfährt, wenn sie das Wirken des „Gesamtgeistes" (s. d.) und den Anteil der „Masse" (s. d.) am historischen Geschehen betont. Auch spielt der „Zufall" (s. d.), das „Irrationelle" (s. d.), Unvorhergesehene, Unbeabsichtigte eine wichtige Rolle in der G. Die Maßstäbe historischer Wertung liegen in den obersten Kulturzielen und Werten, von welchen aus sich Fortschritt (s. d.) und Rückschritt beurteilen lassen. Für das Verständnis historischer Begebenheiten sind Rasse (s. d.) und Milieu (s. d.) zu berücksichtigen. Das Politische, die Staatengeschichte wird wohl am besten im Rahmen der „kulturgeschichtlichen" Methode behandelt. Die ökonomischen Faktoren der G. werden gebührend herangezogen werden müssen, wobei aber freilich auch auf die Abhängigkeit der Wirtschaft von den anderen Kulturgebilden (Recht, Religion usw.) Rücksicht zu nehmen ist, mit denen sie eine gemeinsame Wurzel in der menschlichen Organisation hat. Triebkräfte der G. sind die Bedürfnisse der Menschen, Triebe, Willensimpulse. Ideen (s. d.) realisieren sich in der G. als typische Willensziele. Indem die Menschen durch ihr triebhaftes und willensgemäßes Tun die Lebensbedingungen, von denen sie sich immer mehr emanzipieren, aktiv umgestalten, erzeugen sie immer mehr, immer reichere, feinere, harmonischere Kultur (s. d.) und er- ziehen sich hierbei selbst immer mehr, immer aktiver, freier und bewußter,
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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