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254 Gesinnung — Gestaltqualitäten.
die einander diametral gegenüberstehen, heißen Gegenfarben oder, weü sie
sich zu Weiß ergänzen, Komplementärfarben (z. B. Orange und Blau).
Nach der YouNG-HELMHOLTZschen Hypothese ist jedes
dreier elementarer Erregungen fähig (Rot-, Grün-, durch
deren Verbindung entstehen die übrigen Farben. Nach HERING gibt es drei
„Sehsubstanzen", deren jede eine Dissimilation und eine Assimilation
macht (weiß-schwarze, rot-grüne, gelb-blaue Sehsubstanz). Nach WUNDT
es zwei photochemische Prozesse, einen „achromatischen" (mit Zersetzung und
Restitution) und einen „chromatischen". Vgl. ARISTOTELES, De anima II, 7;
GOETHE, WW. XXXV; SCHOPENHAUER, Über das Sehen und
Farben; PURKINJE, Beobachtungen und Versuche zur Physiologie der
1819 ff.; PREYER, Die fünf Sinne des Menschen, 1870; HELMHOLTZ, Physiol.
f.; E. HERING, Zur Lehre vom Lichtsinn, 1878; J. VON Die
Gesichtsempfindungen, 1897—1902; WUNDT, Grundz. d. phys. Psychol. II6,
1910, S. ff.; Grundr. d. Psychol.6, 1902, S. 67 ff.; EBBINGHAUS, Gr. d.
Psychol., 1905, ff.; Theorie des Farbensinns, 1893; G. ALLEN, Der
sinn, 1880; G. F. LIPPS, Grundr. d. Psychophysik, 1899; KREIBIG, Die fünf
Sinne des Menschen2, 1908; C. HESS, Vergleichende Physiologie des
sinnes, 1912; JAENSCH, Zur Analyse der Gesichtswahrnehmungen,
A. KÖNIG, Ges. zur physiol. Optik, 1903. — Vgl. Raum, Tiefen-
vorstellung, Purkinjesches Phänomen, Kontrast, Farbenblindheit,
Horopter, Sinnestäuschungen.
Gesinnung ist der seelische „Habitus", die psychische Disposition
(s. d.), welche dem Handeln zugrundeliegt, die Richtung der Willensmoti-
vierung, die Willensintention insbesondere mit Rücksicht auf die Sittlichkeit
und Rechtlichkeit der Denk- und Gemütsart. Die G. ist das subjektive
Kriterium der Sittlichkeit (s. d.); sittlich gut ist, wer aus sittlicher
d. h. aus Liebe zum Guten, aus dem Willen zum sittlichen Zweck heraus
handelt, mag der nicht in seiner Macht stehende Erfolg auch wider Erwarten
ausbleiben. Im der sittlichen Entwicklung der Völker wird die
immer mehr geschätzt, während anfangs der Erfolg des Handelns fast aus-
schließlich in den Vordergrund rückt. Den Wert der G. betonen die meisten
Ethiker, so besonders DEMOKRIT, PLATON, ARISTOTELES, die
christlichen Ethiker, ABAELARD, GEULINCX, KANT U. a. VgL
Werttheorie, 1902, S. f.; NATORP, 1904, S. 109; COHEN,
Ethik, 1904, S. 112; JODL, Gesch. d. Ethik II, 1912, 450. — Vgl. Absicht,
Moralität, Sittlichkeit, Pflicht, Rigorismus.
Gestaltqualitäten („fundierte Inhalte", „fundierte Gegenstände":
MEINONG) ist das zur Summe der anschaulichen Bestandteile einer Verbindung
von psychischen Inhalten auf Grund bestimmter Relationen derselben zu ein-
ander hinzukommende neue Merkmal des Ganzen, der „Gestalt", Form,.
Synthese; so wird z. B. eine Mehrheit von Einzelklängen und Akkorden durch
eine gewisse melodische und rhythmische Anordnung zu einer Gestaltqualität
(KREIBIG, Die intellektuellen Funktionen, 1909, S. 111 ff.). Vgl. EHRENFELS,
Vierteljahrsschrift f. wissensch. Philos., 14. Bd., S. 249 ff.; MEINONG, Zeitschr.
f. Psychol. der Sinnesorgane II, VI, XXI; Über Annahmen, 1902, S. 8 f.;
CORNELIUS, Z. f. Psychol. XXII; LIPPS, Z. f. Psychol.
täten" als „apperzeptive Vereinheitlichungen"); HÖFLER, 1897, S. 152
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften