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Im Begriff des Naturgesetzes kommt die Erwartung der Wiederkehr gleicher
(gleichartiger) Zusammenhänge zum Ausdruck. — Vgl. ARISTOTELES, Categor.
6, 6 a 26); CHR. WOLFF, Ontolog. § 439; Gedanken von Gott I,
§ 22 (Substituierbarkeit); DÜHRING, Natürliche Dialektik, B. ERDMANN,
Logik, 1892, I, STÖHR, Leitfaden d. Logik, 1905, S. 12; OSTWALD,
Vorles. über Naturphilos., S. 114, 225 (Substituierbarkeit), L. W. STERN, Person
u. Sache, 1906, 359 ff.; WUNDT, Logik 1893-95, ff.; LIPPS, Ein-
heiten und Relationen, 1902; F. C. S. SCHILLER, Formal Logic, 1912 (Gleich-
setzung zu bestimmten Zwecken); VAIHINGER, Die Philos. des Als ob., 1911;
A. GRÜNBAUM, Archiv f. d. gesamte Psychol. XII, 1908. — VgL Apokatastasis
(„Wiederkunft des Gleichen"), Uniformität, Ähnlichkeit, Identität, Rechtsphilo-
sophie, Soziologie, Assoziation.
(Glückseligkeit, beatitudo) ist der dem Grundwillen
einer Person völlig angemessene Lebenszustand, bzw. der Zustand der
den Willensbefriedigung, der Erfüllung der zentralen Wünsche, der
lichung der am höchsten gewerteten Zwecke; sofern dieser Zustand
mäßig betont ist, besteht ein „Glücksgefühl". Je nach der Art des
wülens ist das Glück für verschiedene Menschen verschieden; es kann in
objektive Lage oder in ein rein innerliches Verhalten gesetzt werden, im
lichen Genuß, in der Tätigkeit und Arbeit, im Schaffen, im sozialen
in der Macht, Ehre, in der Schmerz- und Bedürfnislosigkeit oder auch in der
Tugend, Sittlichkeit gefunden werden. Der Eudämonismus (s.. d.) macht
die Glückseligkeit (bzw. die „Wohlfahrt") zum Prinzip des sittlichen Handelns,
während der Rigorismus (s. d.) sie als sittliches Motiv nicht anerkennt.
Die antike Philosophie legt auf die Glückseligkeit als Ziel des Handelns
hohen Wert. Während DEMOKRIT sie in den Seelenfrieden eveoxcb)
setzt (Stobaeus, II, 76), besteht sie nach dem Kyrenaiker ARISTIPP in
der Summierung einzelner Lustgefühle xb kx xcov
Diogen. Laert. II, 87; xr)v ibid.; vgl. II, 94), nach
EPIKUR in der Lust, der keine Unlust folgt (1. c. X, 128 ff.; s. Hedonismus).
SOKRATES und die legen Wert auf die Bedürfnislosigkeit (s. d.),
HEGESIAS auf das leidlose Leben (Diog. Laert. II, 94). Nach PLATON ist
glücklich, wer das Gute und Schöne besitzt 202 C). Nach ARISTO-
TELES besteht die G. im vernunftgemäßen Verhalten, in der sittlich guten Be-
tätigung der Seele (?) kvegyeia xax xeXelav, Eth.
I 13, 1102 b 5; vgl. X, 7). Die höchste G. liegt im reinen Denken
und Erkennen, daher ist Gott der Seligste (X, Nach den ist
die G. eine Folge der Tugend (s. d.), des natur- und vernunftgemäßen Lebens
(vgl. CICERO, disput. V, 28, 82; SENECA, De vita beata; Dialogorum
XII, 1886; Vom glückseligen Leben, 1909). In die Zuwendung der Seele
zum Göttüchen setzt (wie zum Teil schon Platon) PLOTIN die G. (Enneaden
I, 8).
Die Scholastiker erblicken in der (reinen) Glückseligkeit das höchste
subjektive Gut perfectum intellectualis creaturae", THOMAS, Sum. theol.
I, 26, ad 1). Das Wesen der G. besteht in der Vernunftbetätigung („essentia
beatitudinis in actu intellectus consistit"). — Auch SPINOZA setzt die G. in'
das vernünftig-sittliche Leben, in die geistige Vervollkommnung, in die Er-
kenntnis und Liebe Gottes (Eth. app. IV; V, prop. XXXVI, Sie
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften