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fahrungen und Erlebnissen geglaubt oder postuliert, aus Gemüts- wie aus
theoretischen Bedürfnissen heraus (s. Religion). Die Natur der Gottesidee ist
eine solche, daß alles, was wir von Gott aussagen können, sein absolutes
Wesen nicht Gott könnte nur Gott erkennen, endüche Wesen
urteilen immer nur vom Endlichkeitsstandpunkt und können mit den Kate-
gorien ihres Denkens das über alle Relationen und Bestimmtheiten erhabene
„Übersein" des Absoluten nicht treffen. G. ist demnach etwas anderes als
etwa der Inbegriff aller Dinge, ebensowenig aber ist er ein besonderes „Ding".
Sondern er ist die über den Gegensatz von Subjekt und Objekt, Ich und
Nicht-Ich, Natur und (endlichen) Geist, numerische Einheit und Vielheit er-
habene die weder als unpersönlich noch als menschlich-persönlich,
sondern als „überpersönlich" zu denken ist; nicht als (zeitliche) „Ursache",
sondern als oberster, überzeitlicher „Grund" der die in sich be-
schließend und sie zeitlos setzend, von ihr als der Totalität einzelner Dinge
unterschieden und sich unterscheidend, in ihrer Allheit sich offenbarend,
als überzeitliche, positive Unendlichkeit, als ewiger Weltwille, der alle
Einzelwillen, die einander gegenüber selbständig sind, in sich zu
höchster Einheit zusammenfaßt (Panentheismus).
Der Theismus (s. d.) faßt G. als ein von verschiedenes und
geschiedenes, persönliches, schöpferisches Wesen auf (vgl. Deismus). Der
Atheismus (s. d.) nimmt überhaupt keinen G. an. Der Pantheismus
(s. d.) betont die „Immanenz" Gottes in der Gott ist nicht ein von
verschiedenes Wesen, sondern die ursprüngliche, wahre Einheit
desselben Seins, das als eine Summe von Dingen bildet. Je nachdem
diese als Natur oder als Geist aufgefaßt wird, ist der Pantheismus
naturalistisch oder idealistisch. Der Panentheismus (s. d.) vereinigt
die Transzendenz mit der Immanenz Gottes: die ist in Gott, Gott in der
aber so, daß Gott eine von der Natur als solcher verschiedene (persön-
liche oder überpersönliche) Einheit darstellt.
In einer dem eigentlichen Theismus nahekommenden Weise lehren betreffs
der Gottheit ANAXAGORAS (S. Geist), SOKRATES (Xenophon, I, 1,
19; IV, 3, 13; I, 5, 18). Nach PLATON ist G. die „Idee des Guten", daa
Gute an sich", erhaben über alle Dinge avxb
211 B), überseiend VI, 209 ß), der
Weltgrund, (s. d.). Nach ARISTOTELES ist G. reine „Form" (s. d.),
unveränderliche Tätigkeit (kvegyeia reines Denken seiner selbst,
seines eigenen Denkens vorjoecog, Metaphys. XII 9, 1074 b 34), der un-
bewegte „erste Beweger" 1. c. XII, 7), der aber die
nicht mehr eingreift, sondern nur durch die „Liebe" der Dinge zu ihm be-
einflußt cog 1. c. XII 7, 1072 b 3). '— In pantheistischer
Weise lehren im Altertum die indischen Upanischads (vgl. Deussen, Allgem.
Gesch. d. 1894—99, I, 1. u. 2. Teil; vgl. Brahma), LAO-TSE (S. Tao),
ANAXIMANDER (S. Apeiron), HERAKLIT (S. Logos), XENOPHANES, nach
welchem Gott das ist xb ov xal näv; xb xbv
Aristoteles, Metaphys. I 5, 986 b 24), einheitlich, ungeteilt, ewig,
los, allwissend, allherrschend (Sext. Empir., Adv. Mathem. IX, 144; Diog.
Laert. 19; vgl. Anthropomorphismus). Ferner PARMENIDES (S. Sein),
STRATON aus PLINIUS, die Stoiker, nach welchen
G. ein (s. ein ätherisches, gestaltendes „Feuer" (nvg
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften