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278 Hörnerfrage — Humanität.
und zwar vereinigen sich gleichartige Teilchen (z. B. Gold-, Knochenelemente)
zu den Körpern, mit denen sie gleichartig sind (Gold, Knochen usw.), oder es
überwiegen wenigstens in diesen Körpern die gleichartigen Elemente, denn
eigentlich ist „alles in allem" (Diogen. Laert. II, 8; I,
296 f.).
s.
Horopter ist der Inbegriff der Raumpunkte, deren Bild in beiden Augen
auf korrespondierende Stellen fällt (vgl. WUNDT, Grdz. der phys. Psychol. II5,
1903, 612 ff.).
Humanismus bedeutet: 1. die Bedeutung der Pflege der antiken
Sprachen und der klassischen Literatur der Alten, aus welcher den „Huma-
nisten" ERASMUS U. a.) das Ideal humaner Bildung und Kultur
geschöpft wurde; 2. (als der Standpunkt, nach welchem alle
Wahrheit und Erkenntnis menschlich, durch menschliche Bedürfnisse, Inter-
essen, Ziele bedingt, nichts Absolutes, an sich Geltendes ist (F. C. S. SCHILLER,
Humanism, 1903; Studies in Humanism, 1907; Humanismus, deutsch 1911). Für
diesen H. (der nach WINDELBAND besser „Hominismus" heißen sollte) geht die
Philosophie vom Menschen und von der menschlichen Erfahrungswelt aus, der
Mensch ist das Maß seiner ganzen Erfahrungswelt, der Erzeuger aller Wissen-
schaften, aller Erkenntnis, aller Wahrheiten, welche insgesamt psychologisch,
durch menschliche Zwecke, Wahl bedingt sind (Humanismus, 1911, S. IX ff.,
1 ff.; Formal Logic, vgl. Pragmatismus, Logik).
Humanität (humanitas, Menschheit, Menschlichkeit) ist das mensch-
liche Wesen („hominis essentia"), das, was den Menschen zum Menschen
macht („quidditas, qua est, quod est"), also der Inbegriff derjenigen
Eigenschaften, welche den Menschen ihren Gattungswert verleihen. So ge-
nommen ist H. ein Wertbegriff, eine ein Ideal, ein Willensziel, welches
im Laufe der menschlichen Entwicklung zur annähernden Verwirklichung ge-
langt, bedingt durch das allmählich reifende und immer neu aufzuregende Be-
wußtsein von der Zusammengehörigkeit der Menschen in der Einheit der
Gattung, in der Gemeinschaft des Wirkens, des Strebens, des Zieles, der Kul-
turaufgabe. H. ist nicht bloß Menschenliebe aus Mitleid, subjektiv,
der Wille zur Anerkennung, Achtung und Förderung des rein, positiv Mensch-
lichen in jedem. Höchste Ausbüdung des Geistes-, Gemüts- und Willenslebens,
zu harmonischer Einheit ist das Ideal der Menschenkultur, die nur inner-
halb der sozialen Gemeinschaft möglich ist (vgl. Kultur).
Die Idee der H. im Sinne der universalen Menschlichkeit ist durch die
Stoiker und besonders durch das Christentum zur Geltung gekommen.
Die Humanisten der Renaissance gestalten den Begriff der H. zu dem einer
klassischen Bildung, wobei ihnen die Alten so recht als Prototyp wahrer
Menschen erscheinen. Ähnlich denken und werten im 18. Jahrhundert
WINCKELMANN, LESSING, SCHILLER, GOETHE U. a. Als Ziel der Geschichte
(s. d.) bestimmt die Humanität HERDER, nach welchem die Ausbildung aller
menschlichen Anlagen, die „Bildung zur Humanität" auch das Ziel der Er-
ziehung ist. Humanität ist der „Charakter unseres Geschlechts", der aber
von uns erst ausgebildet werden muß (Briefe zur Beförder. der Humanität,
1793-97, 24). H. ist der „Zweck des Menschengeschlechts". Sie ist Ver-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften