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280 Hyperästhesie — Hypothese.
Überempfindlichkeit, abnorme Erregbarkeit der
Sinnesorgane. — Hyperalgesie: übermäßige Schmerzempfindlichkeit. —
Hypermnesie: abnorme Steigerung der Vorstellungsreproduktion (vgl.
Maladies de la S. 138 ff.). — Hyperphysisch: übernatürlich, supra-
natural (s. d.).
Hypnose (vnvog, Schlaf; der Ausdruck H. stammt von J.
Neurypnology, Der Hypnotismus, deutsch 1882) ist ein durch
geistiger Ermüdung (vermittelst Fixation eines Gegenstandes, Streichen der
Augen u. dgl.) oder durch bloße Suggestion (s. d.) herbeigeführter künstlicher
Schlafzustand mit Einengung des Bewußtseins und Bindung des Willens,
dessen Tätigkeit den Befehlen des Hypnotiseurs automatisch, triebhaft
Die H. besteht in der Hemmung der aktiven Apperzeption (s. d.), Aufmerk-
samkeit und des Willens in Verbindung mit gesteigerter Erregbarkeit der
Sinneszentren, die eine halluzinatorische Verarbeitung der Sinneseindrücke zur
Folge hat, beruhend auf einer besonderen Disposition des Nervensystems. Die
H. ist ein Zustand erhöhter Suggerierbarkeit und tritt in verschiedenem Grade
auf, deren höchste nicht zu häufig vorkommen, wenn auch die Mehrzahl der
Menschen hypnotisierbar ist. Das starre Beibehalten suggerierter Stellungen
seitens des Hypnotisierten heißt hypnotische Katalepsie. Das in der H. Aus-
geführte wird in der Regel nach dem Erwachen vergessen. Die
tischen Wirkungen" bestehen darin, daß das in der H. Suggerierte in einem
späteren Termin ausgeführt werden kann. Es gibt Personen, die sich selbst
hypnotisieren können („Autohypnose"). Der Inbegriff der hypnotischen Phä-
nomene sowie die Lehre von der H. heißt Hypnotismus.
Die schon im Altertum bekannte H. wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts
auf die Mitteilung eines „Fluidums zurückgeführt („tierischer Magnetismus",
MESMER, PUYSEGUR U. a.). Den wissenschaftlichen Hypnotis-
mus hat BRAID begründet. Während die Schule von Paris (CHARCOT,
FERE U. a.) die H. auf physische Reizung zurückführt, leitet sie die Schule von
Nancy (LIEBAULT, BEAUNIS, BERNHEIM, Die Suggestion, 1888, u. a.) aus der
Suggestion ab. VgL PREYER, Die Entdeckung des Hypnotismus, 1881;
R. HEIDENHAIN, Der sog. tierische Magnetismus, 1880; A. LEHMANN, Die
1890; A. MOLL, Der Hypnotismus4, 1907; LIEBAULT, Der künstliche Schlaf,.
FOREL, Der Hypnot.6, VOGT, Zeitschrift für Hypnot. III ff.
(1. c. VI: LIPPS); WUNDT, Hypnot. u. Suggestion, 1892; Grdz. d. phys. Psychol.,
1903, ff., ff.; Grundr. d. Psychol.5, 1902, S. ff.; HELL-
PACH, Die Grenzwissenschaften d. Psychol., 1902, S. 337 ff.; Sug-
gestion u. Hypnotismus in der Völkerpsychologie, 1904; TH. LESSING, H. und
Suggestion, 1907; DESSOIR, Bibliographie des modernen H., 1888/91.
Hypokeimenon s. Substanz,
Hypostase Grundlage): einzelne, besondere Substanz
stantiä cum Person (s. d.). — Hypostasieren: vergegenständ-
lichen, verdinglichen, verselbständigen, etwas Begriffliches, Abstraktes oder
bloß als Eigenschaft oder Beziehung oder als Idee, Ideelles Gegebenes zu
einer selbständigen Wesenheit machen. Vgl. VAIHINGER, Die Phüosophie des
Als ob, 1911. Vgl. Paralogismen (KANT), Scholastik, Allgemein, Sprache.
Annahme, Voraussetzung (s. Hypothesis). Im
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften