Seite - 282 - in Handwörterbuch der Philosophie
Bild der Seite - 282 -
Text der Seite - 282 -
Hypothesis — Hypothetische Schlüsse.
et S. 2 ff., 179 ff.; deutsch 1904). Nach WUNDT sind Hypothesen
Voraussetzungen, welche zur- Erklärung der Tatsachen gemacht werden und
diese selbst streng bestimmt sind (Logik 1906, S. 437 ff.). Den
Unterschied zwischen der verifizierbaren H. und der von der Wirklichkeit be-
wußt abweichenden, nur „Fiktion" (s. d.) betont VAIHINGER,
welcher auch zeigt, wie durch Fiktionen zu Hypothesen,
zu Dogmen werden und umgekehrt (Die Philos. des Als ob, 1911,
S. 219 ff.). — VgL UEBERWEG, Logik5, 1882, § 134; E. La logique
1880; SIGWART, Logik II2, 1893; 4. A. 1911; Beiträge zur
Lehre vom hypothetischen Urteil, 1879; STÖHR, Lehrbuch der Logik, 1910;
Philos. der unbelebten Materie, 1907 („Hypothetik"); HILLEBRAND, Zur Lehre
Ton der Hypothesenbildung, 1896; P. BIEDERMANN, Die Bedeutung der H.,
1894; COHEN, Logik, 1902, S. 371 f.; E. LEHMANN, Idee und Hypothese bei
Kant, 1909; JEVONS, Leitfaden der Logik, 1906, S. ff.; P. VOLKMANN,
Erkenntnistheoretische Grundzüge der Naturwissenschaften, 1896; 2. A. 1910;
ENRIQUES, Probleme der Wissenschaft, 1910; GÖRLAND, Die H., 1911. Vgl.
Physik, Theorie, Mechanistisch, Beschreibung.
Hypothesis 1. Bedingung, Vordersatz eines hypothetischen
Urteils (s. d.); 2. Voraussetzung (s. d.), Grundlegung der Erkenntnis durch das
Apriorische (s. d.) des reinen Denkens als Bedingung objektiver Erkenntnis,
der Gegenstandsbestimmung. Vgl. PLATON (Phädon, 100—101, 107 B; Republ.
VI, 510 VII, 533 C; 475 E, 482 C); ARISTOTELES (Analyt. poster.
72 a 18; Analyt. prior. I, 10; I, 44); COHEN, Ethik, 1904, S. 81, 481;
Ideenlehre, 1903; Die logischen Grundlagen der exakten
Wissensch., 1910; N. HARTMANN, Logik des Seins, 1911, S. 235 ff.
Vgl. Idee, Kategorie, Ursprung.
(kg bedingt, einer
Voraussetzung, fraglich.
Hypothetische Schlüsse (Bedingungsschlüsse) sind Schlüsse mit
einem hypothetischen Urteil als (gemischt h. S.) oder mit zwei hypo-
thetischen Urteilen als Prämissen (rein h. S.). Die h. S. stützen sich auf die
Regel: Mit dem Grund (s. d.) ist die Folge gesetzt, mit der Folge auch der
Grund aufgehoben, verneint. Hauptformen der gemischt-hypothetischen S. sind:
1. Modus ponendo ponens: Wenn S ist, ist P; S ist; Also ist 2. M.
ponendo tollens: Wenn S ist, ist P nicht; S ist; Also ist P nicht. 3. M.
tollendo tollens: Wenn S ist, ist P; P ist nicht; Also ist S nicht. 4. M.
tollendo ponens: Wenn S ist, ist P nicht; S ist nicht; Also ist P (vielleicht).
— Der rein-hypothetische S. hat die Form: Wenn M ist, ist (ist nicht) P;
Wenn S ist, ist M; Wenn S ist, ist (ist nicht) P; oder: Wenn S ist, ist (ist
nicht) M; Wenn S ist, ist nicht (ist) M; Wenn S ist, ist nicht P; oder: Wenn
M ist, ist P; Wenn M ist, ist S; Bisweilen, wenn S ist, ist P. —
Schlüsse haben die Form: 1. Wenn A ist, so ist entweder
B oder C oder D; A ist; Also ist entweder B oder C oder D; 2. Weder B
noch C noch D ist; Also ist A nicht (vgl. LINDNER-LECLAIR, Lehrbuch der
allgemeinen 1903, S. 112 ff.; die Logiken von UEBERWEG, WUNDT, SIG-
WART, B. ERDMANN U. a.; KREIBIG, Die intellektuellen Funktionen, 1909,
S. 219 f.). Betreffs THEOPHRAST, EUDEMOS, CHRYSIPPUS vgl. PRANTL, Ge-
schichte der Logik 1855, I, 476 ff.
zurück zum
Buch Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften